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Inspiration hilft Motivation

  

Inspiration verbinden wir mit positiven Impulsen, mit guten Ideen, kreativen Einfällen, einer uns küssenden Muse. Hier kann sie uns durchaus hilfreich sein bei Aufgaben, die wir gerne vor uns her schieben. Es gibt immer Dinge, die wir leicht und gerne tun oder die Selbstüberwindung nicht allzu schwer fällt. Und solche, die wir gar nicht mögen. Tätigkeiten, die wir am Liebsten abwälzen, aufschieben, vermeiden, ignorieren. Bei mir sind es Malerarbeiten. Ich kann dieser handwerklichen Tätigkeit nichts abgewinnen. Doch muss ich anerkennen, dass auch diese ungeliebte Arbeit getan sein will. Ich komme nicht drum herum.

So habe ich eine Liste eingeführt, auf die ich handschriftlich alle zu erledigen Dinge setze (Auf diese Weise signalisieren wir unsere Absicht bereits sowohl auf körperlicher als auch innerer Ebene.). Nicht gerade Alltagskram, sondern besondere Aufgaben. Solche, die mir Freude machen und solche, die ich am Liebsten immer wieder an’s Ende der Liste platzieren möchte. Ein Punkt steht z. B. auch für das Besorgen erforderlicher Materialien der jeweiligen Arbeiten. Dann mache ich nichts mehr. Zwinge mich nicht, schnell etwas zu erledigen, ärgere mich nicht, dass ich eine innere Abwehr gegen einige Aufgaben habe und forsche nicht nach den Gründen meines Widerstandes. An freieren Tagen, die ich nicht für Routineerledigungen benötige, lasse ich mich von den verschiedenen Punkten inspirieren. Wofür habe ich gerade Schwung? Welche Aktion will ich heute von meiner Liste streichen (ganz wichtig, das hinterher zu tun!!). Irgendetwas spricht mich immer an. Vielleicht erst einmal, das notwenige Material einzukaufen. Ohne es gleich einsetzen zu müssen; das ist schließlich ein anderer Punkt auf meiner Liste. So mache ich es an meinen zeitlich freieren Tagen weiter. Irgendwann fühle ich mich auch inspiriert, die unangenehme Aufgabe in Angriff zu nehmen. Bemerkenswerter Weise eher zeitnah als zuvor ohne meine Liste. Ich nehme mir Zeit für die Arbeit (mit Musik geht vieles besser), ermuntere mich zur Sorgfalt, konzentriere mich auf mein Tun, sodass ich am Ende auf ein erfolgreiches Werk schaue. Nicht nur das Streichen der Wand selbst, sondern auch des Punktes auf der Liste hinterlässt ein Gefühl der Zufriedenheit. Wenn ich mich zusätzlich mit einer Pause nach meinem Geschmack belohne, hat sich meine neuronale Autobahn „Malen ist ätzend!“ schon ein bisschen verändert. Dieser neue Gedankenpfad lässt mich an diese Aufgabe beim nächsten Mal bereits leichter und motivierter herangehen. Probieren Sie es mal aus. Wenig Aufwand für mehr Leichtigkeit am alltäglichen Tun.

* * *

Sie konnten sich im Laufe den letzten 8 Jahren von mir hoffentlich immer wieder inspirieren, ermutigen, motivieren und entschleunigen lassen. An dieser Stelle nehme ich vorerst Abschied von meinem Platz auf der letzten magz-Seite. Ich lasse mich gerade inspirieren und bewegen von viel Neuem, das mir derzeit begegnet, gehe in Überprüfung, Sortierung und Neuordnung. Das braucht Zeit.

Ich danke allen „magz-lern“ für treues Lesen, vielseitige Rückmeldungen und den Ansporn, mich immer wieder zu neuen Gedanken inspirieren zu lassen. Alles Gute für Sie!

  

magzMagazin, Mai/Juni 2018

Foto: © Johanna Leitow

Erwachen….

Dem Erwachen geht Schlaf voraus. In unseren Traumphasen, den sogenannten REM-Phasen, scheint das Gehirn dennoch aktiv zu sein. REM bedeutet Rapid Eye Movements, da sich die Augen, anders als in der Tiefschlafphase, schnell unter den Lidern bewegen. Wir schlafen in diesen Momenten nicht so tief, sind leichter erweckbar, der Spannungszustand der Muskulatur ist verringert, während Blutdruck und Puls sich erhöhen. Die sogenannten Beta-Wellen des Gehirns entsprechen dem Zustand geöffneter Augen. Also sind wir wach? Oder schlafen wir? Trotz des nach Außen hin weitestgehend körperlich ruhigen Zustandes scheinen wir auf anderer Ebene recht aktiv zu sein. Während Eindrücke und Gelerntes im Langzeitgedächtnis abgespeichert sowie unser Alltagserleben verarbeitet werden, träumen wir (auch dann, wenn wir uns später nicht daran erinnern) meist in lebhaften Bildern, die von ausgeprägten Gefühlen begleitet werden. Manches Mal sind Traum und Wirklichkeit kaum auseinander zu halten, sodass es beim Erwachen ein wenig dauert bis wir uns orientiert haben und manchmal erleichtert, manchmal enttäuscht erkennen, „Ich habe geträumt!“.

Überall im Leben finden wir Schlaf- und Erholungsphasen sowie Zeiten des Erwachens. Eine Zeit des Rückzugs und eine des Aufbrechens. In jedem Tag, im Verlauf der Jahreszeiten. Der Kreislauf der Natur zeigt deutlich - wie mäßig Winter und Sommer auch immer ausfallen mögen - die Momente von Rückzug, Schlaf und Erwachen. Wer aufmerksam ist, erkennt bereits mit Beginn des Winters die Vorboten des neuen Zyklus’. Trotz des Sich-nach-Innen-Kehrens haben sich längst Knospen gebildet. Ein Versprechen der Natur, dass das nächste Frühjahr kommen wird. Im Winter ist nichts tot, alles befindet sich lediglich in einem todesähnlichen Zustand.

Ähnlich ist es mit jenen persönlichen Lebensphasen, in denen innere Zustände tiefstem Dunkel gleichen. Während wir annehmen, es geht nicht weiter, Licht und Freude seien unwiderruflich aus unserem Leben verschwunden, bereitet sich etwas in uns bereits auf das Neue vor. Auf eine notwendige (die Not wendende) Veränderung, auf Neubeginn und Wachstum, die nächste Phase. Vielleicht erinnern Sie sich an Pubertät und Wachstumsschmerzen, die wir mit dem Heranwachsen er- und durchleben mussten? Leider haben wir geglaubt, das würde mit dem Verlassen der Jugend enden. Doch immer wieder sind Schmerzen sowie das Empfinden von Stagnation, Endgültigkeit und nie enden wollender Dunkelheit Teil unseres persönlichen Lebenskreislaufs. All dies ist notwendig, um sich von unpassend gewordenen Anteilen oder überlebten Wahrheiten zu lösen, wie die Schlange ihre Haut, die Raupe ihre alte Gestalt verlassen muss. Jede Krise, jede dunkle Stimmung ist nicht nur Ankündigung, sondern bereits Teil der Metamorphose (= Wandlung einer Gestalt in einen anderen Zustand). Wenn wir vermeiden, unsere „alte Hülle“ zu verlassen, zeigt sich uns dies deutlich. Statt mit Innenkehr achtsam und bewusst wahr- und anzunehmen, können wir das Unabänderliche ausblenden und mit Ablenkungen, Symptomen sowie Süchten aller Art behindern. Verhindern nicht. Die Natur geht ihren Weg. Die Richtung: Immer voran. Das Neue, Knospen und Schmetterling, Freude und Schönes machen sich bereit für das Erwachen.

 

magz-Magazin März/April 2018

Foto: © Fotolia_125539074

Auch Scheitern verdient Respekt

Allen, die mehr oder weniger mit einem Gefühl von Mangel oder Scheitern hadern, biete ich heute einen Perspektivwechsel an. Interessiert?

Beim frühmorgendlichen Walken lief ich über einen Kanalisationsdeckel. Es rauschte als hätte just jemand die Toilettenspülung betätigt. Welcher Gedanke kommt Ihnen bei meiner akustischen Beschreibung? Eher so etwas wie „Ist ja eklig!“? Ich selbst hatte sofort frühgeschichtliche Bilder vor Augen, in denen Menschen ihre Ausscheidungen vor dem Haus bestenfalls in angelegte Rinnen entsorgten. Die Orte stanken im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Zudem boten Keim belastete Hinterlassenschaften besten Boden für die Verbreitung von Seuchen. In einer Zeit, in der die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte und Besuche beim Medikus oder Heiler, den frühzeitlichen Ärzten, nicht selbstverständlich möglich war.

Später beim Entsorgen meines Mülls in die graue Tonne wurde mir abermals bewusst, wie einfach es ist, Sauberkeit und Hygiene in meiner Umgebung zu halten. Ich muss mir keine Gedanken darum machen, was mit diesem Müll passiert (natürlich aber über die Menge, die ich produziere), da es Menschen gibt, die diesen Job zuverlässig übernehmen. Einen Dank einmal an dieser Stelle!

An vielen modernen Errungenschaften waren bereits Menschen lange vor mir an ersten Entwicklungsschritten beteiligt. Menschen, die Kleineres und Größeres neugierig erprobt haben, die Pioniere waren, mutig, manchmal „übermütig“ erforschten, scheiterten und weiter machten. Naheliegend fiel mir Siegmund Freud ein, den Begründer der Psychoanalyse. Er erklärte die menschliche Psyche, nutzte Träume und freies Assoziieren als Brücke zum Unbewussten, wies auf die Bedeutung kindlicher Entwicklungsphasen für das Erwachsensein hin u.v.m.. Freud hatte reichlich Kritiker, selbst unter seinen eigenen Schülern; dennoch wurde er nicht nur Vater einer Therapieform, sondern im Grunde „Ur-Vater“ vieler therapeutischer Verfahren, die danach entstanden und das Bild und die Behandlung seelischer Erkrankungen zum Besseren hin veränderten.

Immer wieder waren Mangel, Konflikte, Scheitern und Fehlversuche notwendig, damit sich Gutes und Nützliches entwickeln konnte. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Kleber der kleinen, bunten selbstklebenden Zettelchen aus dem Fehlversuch, einen Superkleber zu entwickeln, entstanden ist? Sie sehen also, Fehlversuche können sogar zu Erfolg und Reichtum führen.

Respekt verdienen nicht nur die gegenwärtigen Errungenschaften, sondern auch jene, die denen voraus gingen und „Neues“ oft erst ermöglichten. Wertschätzung für die unzähligen Generationen vor uns, deren Ringen, Scheitern und Nicht-Aufgeben Grundlage des gegenwärtigen Alltagslebens sind. Genauso darf jeder von uns scheitern und Fehler machen und wird dennoch Bereicherung sein. Täglich im Kleinen wie im Großen, für das persönliche Umfeld und somit immer ein bisschen für die Generationen nach uns.

Was wir brauchen ist nicht nur der Respekt des Erfolges, sondern ebenso den des Scheiterns. Auch des eigenen.

 

magz-Marazin Nov./Dez. 2017

Foto: © Rainer Harting, Preetz

Vor-Annahmen

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch dann kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor der „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ (übernommen aus „Anleitung zum Unglücklichsein“, Paul Watzlawick, Verlag Pieper, 1996, 14. Auflage)

Der geschilderte Ablauf des österreichischen Psychotherapeuten Paul Watzlawick mag stark übertrieben scheinen, doch sind ähnliche Gedankenabläufe fast jedem bekannt. Man spricht hier auch von Vorannahmen. Wir erleben einen anderen Menschen in Haltung, Mimik, Geste oder Äußerung, verstehen das Wahrgenommene als Andeutung und, um das Ganze zu toppen, beziehen alles auch noch auf uns selbst. Wir geben dem Augendrehen, Nicht-Grüßen, einem Tonfall oder Stöhnen eine Be-Deutung. Interpretieren das Erlebte und erschaffen einen selbst konstruierten Zusammenhang. Statt rückzufragen und damit zu überprüfen, was der andere gemeint hat, ob er etwas gemeint hat und es überhaupt einen Bezug zu uns hat, begeben wir uns in die anstrengenden Gedankenschleifen unserer Vermutungen.

Warum wir das machen? Genaugenommen reagieren wir unbewusst auf Signale, die wir eigentlich aus einer viel jüngeren Zeit kennen und mit einem Gefühl „geankert“, also stark verbunden wurden. Im Kindesalter werden bereits kleinste Zeichen von Vater, Mutter oder anderen uns wichtigen Menschen sehr sensibel registriert. So ließ sich eigenes Verhalten blitzschnell anpassen. Um mehr positive Reaktionen zu bekommen, aber vor allem auch, um Ärger abzuwenden. Auf diese Weise sicherten wir Wohlwollen und ein angenehmes, Sicherheit gebendes Gefühl bzw. vermieden Ablehnung und das damit verbundene beängstigende oder gar bedrohliche Gefühl.

Ganz oft reagieren wir bei anderen also eigentlich noch immer auf die Signale und nonverbalen Appelle früher wichtiger Bezugspersonen und ziehen weiterhin längst veraltete Schlüsse. Es lohnt sich im Zweifelsfall nachzufragen: „Wie hast du das eben gemeint?“. Oder einfach mal annehmen, dass wir persönlich nicht gemeint sind.

magz-Magazin Sept./Okt. 2017

Foto: © Fotolia_177498417

Pardonner

Kennen Sie das? Wenn Ihnen ein Kleidungsstück, das Sie tragen, selbst nicht gefällt, reagieren Sie ganz anders auf diesbezügliche Kritik als wenn Sie dieses Teil, auch wenn es nicht in allem perfekt ist, sehr lieben. In dem Fall kann es Ihnen kaum jemand schlecht reden. Eine kritische Äußerung darüber lässt sich einfach übergehen. Allenfalls sind Sie verwundert, dass der andere solch einen Blick für Ihr geliebtes Stück haben kann, das Sie selbst und in dem Sie sich so wunderschön finden.

Ich nutze dieses Bild, um zu verdeutlichen, warum wir in manchen Fällen leicht in der Lage sind, unachtsame Äußerungen oder unangemessenes Verhalten anderer „wegzustecken“, während wir uns ein anderes Mal in stärkerem Maße verletzt fühlen. Eine Kränkung wühlt auf, ruft Emotionen wie Traurigkeit, Hilflosigkeit oder Wut hervor. Sogar Schlaf, Aufmerksamkeit und Alltagsbewältigung können beeinträchtigt sein. Während das klare Denken reduziert ist, führt der Verstand Zwiegespräche. Oftmals sind wir dann noch nicht in der Lage, ein „Es tut mir Leid“ des Anderen anzunehmen. Eher ziehen wir uns zurück, sind verärgert, häufig nach-tragend (nehmen Sie das gerne mal bildlich).

Auch wenn es so scheint, die innere Verletzung findet nicht durch das äußere Geschehen statt. Diese “Wunde“ gibt es bereits in uns. Vielmehr werden wir durch jemand anderen mit unserem eigenen negativen Denken über uns selbst in Berührung gebracht, das wir bis dahin sorgfältig mit einem nicht wirklich stabilen, aber positiveren, für uns erträglicheren Bild von uns verdeckten. Etwas, das wir selbst in uns ablehnen und daher versuchen, vor uns oder zumindest nach Außen hin zu verbergen, wird sichtbar. Wenn wir uns also gekränkt fühlen, dann weil wir selbst in ähnlich abwertender Weise über uns denken oder mit einem Wesensteil in uns konfrontiert werden, den wir selbst nicht akzeptieren.

Je mehr wir uns in allem, was und wie wir sind, mit der gleichen subjektiven Überzeugung und Sicherheit begegnen wie im Bezug auf das für uns schönste und geliebte Kleidungsstück, desto weniger können uns abfällige oder kritische Bemerkungen anhaben. Wenn das Nicht-Perfekte nicht gleich unser Gesamtbild in Frage stellt, würden wir mit den Schultern zucken und uns wundern, in welcher Weise der andere uns betrachtet. Gegebenenfalls wären wir sogar in der Lage, ohne Widerstand und Empörung die Kritik zu prüfen, sozusagen einen Abgleich zwischen unserem Selbstbild und dem Fremdbild zu machen. Möglich, dass wir dem anderen sogar zustimmen und die Gelegenheit für einen Entwicklungsschritt nutzen, indem wir eine eigene Denkweise oder ein nicht (mehr) angemessenes Verhaltensmuster korrigieren.

Verzeihen heißt im Englischen forgive, im französischen pardonner. Wörtlich übersetzt heißt es „für geben“ bzw. „per (via) geben“. Verzeihen bedeutet ver-geben. Im Hinblick auf die innewohnenden Möglichkeiten einer Kränkung durchaus eine Alternative zur (auch eigenen) Last des Nachtragens.

 

magz-Magazin Juli/August 2017

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Bitte vergieb mir... (Teil1)
Sich entschuldigen

Verzeihen ist vielseitig: Wir bitten um Entschuldigung, sind aufgefordert, andern zu vergeben, manchmal auch, uns selbst zu vergeben.

Bevor Sie gleich weiter lesen, nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit für folgende Frage: Hat Ihnen noch jemand etwas zu verzeihen?      ……..

Wie leicht handeln wir unangemessen. Wir haben nicht unseren besten Tag, uns rutscht etwas heraus, das nicht so gemeint ist; eine albern gemeinte Bemerkung kommt völlig falsch an und wir „trampeln“ völlig unbeabsichtigt über die Grenze eines anderen hinweg. Ein anderes Mal ist ein Geburtstag vergessen - trotz aller technischer Ausrüstung und ‚ewigem Kalender’ an der Klotür. Dies und Ähnliches sind beinahe Alltäglichkeiten, bei denen wir hoffen, dass wir den ausgelösten Unmut schnell aus der Welt räumen können und uns unser „Fehlverhalten“ nicht lange nachgetragen wird.

Manches Mal sind die Vorwürfe uns gegenüber jedoch größer. So kann es passieren, dass wir um Entschuldigung bitten, denn wir möchten, dass der andere weiß und versteht, dass wir uns in bester Absicht wähnten oder uns gar nicht bewusst war, dass wir eine Spur der Kränkung hinterlassen haben. Manchmal lässt sich der Vorwurf uns gegenüber jedoch nicht so leicht aus der Welt räumen.

Sich zu entschuldigen, bedeutet wortwörtlich, sich selbst von einer Schuld frei zu sprechen. Genau genommen können wir aber eine Ent-Schuldigung nur erbitten. Manchmal bedeutet es, geduldig zu sein bis der Andere wieder „gut“ ist. Das Ertragen des eigenen Fehlverhaltens sowie des damit verbundenen Ärgers und Rückzugs des anderen sind nicht immer gut auszuhalten. Wir wollen die Welt schnell wieder in Ordnung bringen. Irgendwann neigen wir vielleicht sogar dazu, dem anderen das Noch-Nicht-Verzeihen-können vorzuwerfen.

Was meistens aber fehlt, ist mein Einfühlungsvermögen gegenüber dem Anderen. Es geht nicht um das Rechtfertigen, Begründen, das Entschuldigen. Es geht nicht darum, dass der Andere versteht, warum ich mich wie verhalten habe. Ich lebe in dem Glauben, dass er nur verstehen müsse, aus welchen Gründen ich mich in einer unangemessenen Weise verhalten habe, damit er seinen Groll mir gegenüber aufgibt. Aber nicht der Verstand ist verletzt, sondern das Gefühl.

Selbst wenn ich also in bester Absicht handelte, ist unwesentlich, dass der Andere mich versteht, sondern dass ich verstehe. Indem ich hinhöre, was mein Verhalten in der Gefühlswelt des Gegenübers ausgelöst hat. Es gilt, mein Interesse am von mir ausgelösten Zustand zu bekunden und ganz genau zuhören! (das weiß auch Michael Ende’s „Momo“ (lohnt sich zu lesen)).

Hinhören ist unser wichtigstes Werkzeug, wenn es um Klärung und Bereinigung einer verfahrenen Situation geht. Erst wenn wir wirklich ganz offen gehört haben und der andere sich mit seinem Gefühl wahrgenommen und verstanden fühlt, können wir im nächsten Schritt um Entschuldigung bitten. Dann ist es an uns, ihm zu überlassen, ob und wann er bereit sein kann oder will, die Gründe unseres Verhaltens zu erfassen, um dann zu verzeihen.


magz-Magazin Mai/Juni 2017


Balancekünstler

Ein Orthopäde stellte einst fest, dass meine Lendenwirbelsäule eine leichte S-Verformung aufwies. Kurioserweise fand sich diese Verformung spiegelverkehrt in meiner Halswirbelsäule wieder. Die HWS glich die deformierte LWS aus und sorgte dafür, dass alles dazwischen gerade wachsen konnte und mein Rücken nicht in eine komplette, möglicherweise sogar schmerzhafte Schieflage geriet. Welch intelligente Lösung der Natur.

Leben braucht Wahrung und ggf. Wiederherstellung von Balance. Wir wissen, was es für die Meere bedeutet, wenn dessen Gleichgewicht kippt. Der Klimawandel verdeutlicht, wie wesentlich die Ausgewogenheit von Warm- und Kaltzonen der Luft-, Land- sowie Wassermassen für unsere Lebensfähigkeit auf diesem Planeten ist. In der systemischen Therapie spricht man vom notwendigen Ausgleich des Gebens und Nehmens in Beziehungen. Auch eine angemessene Würdigung und/oder Entlohnung unserer Arbeit ist ein Ausgleich, unerlässlich für das Wohlbefinden. Idealerweise achten wir auf ausgewogene Ernährung und verschaffen uns Bewegung als Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit.

Wenn der Mensch aus dem Gleichgewicht kommt, zeigt sich dies als Antriebslosigkeit, Erschöpfung, seelische Verstimmung oder gar als Krankheitsanzeichen unseres Körpers. Die vielfältigen Möglichkeiten der Medizin dienen der Abklärung und unterstützen die Rückbildung der Symptomatik. Da alles in einem gewissen Maß ausgewogen sein muss, um wirklich gesund zu bleiben, wird in diesem Zusammenhang auch eine Überprüfung erforderlich, welcher Teil des persönlichen Lebens gerade die innere Balance ins Wanken bringt. Wir sind wahre Meister darin, die ersten kleinen Signale zu übergehen, die darauf hinweisen, dass etwas nicht mehr stimmig ist und eine persönliche Kurskorrektur erforderlich wird. Passen Veränderungen meist doch eher wenig in den gewohnten Alltag oder unser vertrautes Leben. Somit werden wir zudem zu wahren Meistern des Verschiebens auf später. Irgendwann findet der Körper dann eine deutlichere Sprache, steuert unserem starken Willen und allem anerzogenen Pflichtgefühl entgegen. Dann schimpfen wir über unseren „so schlecht“ funktionierenden Körper, schließlich passt auch der nicht in unseren Alltagsablauf, und weigern uns oftmals weiterhin, das nicht (mehr) Stimmige unseres Lebens in den Blick zu nehmen. Wir gebrauchen sogar die Sprache des Körpers im Alltag: „Etwas“ schlägt auf den Magen, geht an die Nieren oder unter die Haut. Dieses „Etwas“ bleibt leicht unbekannter oder ausgeblendeter Faktor. Denn nach dem Ungleichgewicht im eigenen Leben zu schauen, bedeutet, sich bewusst mit erforderlichen Veränderungen auseinanderzusetzen und in nächster Konsequenz auch etwas davon umzusetzen. Sodass das äußere Erleben wieder in Einklang mit Seele und Körper steht. Das Kostbare an dem Wunderwerk Mensch ist, dass mit unserer Bereitschaft sich auseinanderzusetzen, bereits etwas beginnt, die Schieflage zu korrigieren (so wie beim Beispiel oben mit der Wirbelsäule). Vielfach verringert sich das Ausmaß der Symptome; sie bleiben aber als „Erinnerer“ in Bereitschaft, um uns gegebenenfalls an die notwendige Korrektur für das so wichtige Gleichgewicht unseres Lebens zu erinnern.

magz-Magazin März/April 2017

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Auf der Suche nach dem LCGÜKL

Der ehemalige König von Bhutan prägte 1979 den Begriff „Bruttonationalglück“. Es ist verfassungsrechtlich verankert und die Bemühung, den Lebensstandard der Bewohner unter Achtung der Würde sowie unter Einbezug seelischer Aspekte zu bestimmen. Somit wurde ein neuer Bezugsrahmen geschaffen, der dem Bruttosozialprodukt gegenüber steht. *

Ähnliches verfassten Ecuador (2008) und Bolivien (2009); mit der Umsetzung befassten sich Staatskommissionen. *

Im Happy Planet Index (New Economic Foundation’s Centre for Well-Being, London, 2012) werden Lebenserwartung und Zufriedenheit der Bevölkerung in Relation zum Ressourcenverbrauch gestellt. Costa Rica belegte 2012 den ersten Platz, gefolgt von Vietnam. Die Vereinigten Staaten standen auf Platz 105. * Eine Einladung zum Nachdenken.

Glück entsteht, wenn wir in Übereinstimmung sind mit dem was wir tun, uns darin selbst erkennen und zunehmend entfalten können. Dient unser Tun also dem Streben nach Glück? Ein Staat definiert sich eher über Wachstum von Im- und Export sowie dem Bruttosozialprodukt als über die Anzahl seiner zufriedenen Bürger. Bilanzierbares Glück? Auch dem Einzelnen fällt es zunehmend schwer, sich dieser Entwicklung zu entziehen. Dauerstress und das Empfinden von Fremdbestimmung reduzieren das Wohlbefinden und machen glauben, dem kaum etwas entgegensetzen zu können. Wir lassen uns durch ein nicht nur von Außen gesteuertes Maß von Verantwortlichkeiten, Lebensstandard und Arbeitseinsatz prägen, das es für die vermeintliche Zufriedenheit des Einzelnen und des Gemeinwohls braucht. So leben wir oft nicht nur über unsere Verhältnisse, sondern vielmehr über unsere Bedürfnisse hinaus. Wir verlieren den Kontakt zu den individuellen Sehnsüchten und dem persönlich Machbaren. Statt Wege zu finden, wirkliche Erfüllung zu definieren und anzustreben, geben sich viele nach zahlreichen Kompromissen mit dem Mindestmaß eines Nettos an persönlichem Glück zufrieden.

Vielleicht wäre es gut, es wie „Hans im Glück“ zu halten (Gebrüder Grimm von1819): Hans erhält als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen großen Klumpen Gold. Diesen tauscht er gegen ein Pferd, später das Pferd gegen eine Kuh, dann die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans. Die Gans gibt er für einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein her. Er glaubt, jeweils richtig zu handeln, da man ihm sagt, ein gutes Geschäft zu machen. Zuletzt fallen ihm, als er trinken will, die beiden schweren Steine in einen Brunnen. Endlich war er glücklich, die schweren Steine nicht mehr tragen zu müssen.„So glücklich wie ich, rief er aus‚ „gibt es keinen Menschen unter der Sonne“. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort. *

Glück ist etwas Individuelles, das positive Veränderungen in uns selbst bewirkt und ins persönliche Umfeld hineinstrahlt. Unbezahlbares Glück als Verantwortung auch gegenüber nachfolgenden Generationen: Es verbraucht keine Ressourcen, stärkt die eigenen und dient der Umwelt. Das Weniger wird zum (viel) Mehr im besten Sinne.

Versuchen Sie es doch einmal mit folgendem Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie schauen mit 75 Jahren auf Ihre jetzige Zeit zurück. Wie wäre das Denken der Alten über Ihre aktuelle Lebenssituation? Welche Veränderungen stünden an, damit der Lebensweg in der Rückschau glücklich gegangen ist? Entsprechend dem ganz persönlichen Bruttopersönlichkeitsglück.

Lust auf mehr Glück? Workshop hierzu am 11.03 17. Mehr: info@susanne-thormaehlen.de

  

*Bezug: Wikipedia

magz-Magazin Jan./Febr. 2017

Info Workshop -- Foto: © Fotolia_134764192

Lebenslast vs. Lebenslust

Ein Interview mit dem Leben

Lebenslust wird insbesondere mit einem freudigen, genussvollen Aspekt verbunden. Aber ist da nicht mehr dran? So wandte ich mich an das Leben selbst. Es ist immer gut, sich an das Leben zu wenden, wenn man Fragen bzgl. des Lebens hat.

S. B.:   Liebes Leben, wie definierst du den Begriff „Lebenslust“?

Leben: In jedem Fall mit etwas das Leben Bejahendes.

S. B.:   Heißt es, mit etwas Schönem?

Leben: Das Leben an sich ist ja schön. Ich stelle fest, dass ihr Menschen im Hinblick auf Lebenslust aber eher Dinge meint, die ausschließlich angenehme Gefühle hinterlassen.

S. B.:   Ist das verkehrt?

Leben: Aber nein. Ich schenke den Menschen schließlich angenehme Situationen. So lernen sie ihre positiven Gefühle kennen. Und das macht das Appetit auf mehr (lacht).

S. B.:   Sollen sie denn mehr davon haben wollen?

Leben: Aber ja! Aus angenehmen Gefühlen heraus, sind alle Menschen eher bereit, sich freundlich zu begegnen, tolerant, respektvoll und wohlwollend zu sein, sie werden offener, mutiger, freier zu entscheiden.

S. B.:   Wäre es dann nicht besser gewesen, den Menschen gleich nur mit guten Gefühlen, sprich angenehmen Lebenssituationen auszustatten?

Leben: Ständig angenehme Gefühle ohne größere Herausforderungen, das wäre vielen sicherlich recht. Ich könnte mich dann jedoch überhaupt nicht weiter entwickeln.

S. B.:   Aber es ist auch nicht gerade leicht, unangenehme Gefühle auszuhalten.

Leben: Das Problem ist doch eher, dass ihr euch von ihnen so leicht die Lebenslust nehmen lasst.

S. B.:   Wie meinst du das?

Leben: Kaum jemand hinterfragt das Gefühl von Glück, Freude, Heiterkeit, Leichtigkeit oder die guten Dinge, die ich präsentiere. (Ich finde übrigens, dass ihr eine Menge Methoden entwickelt habt, euch künstlich Lebenslust zu erschaffen, um euren „negativen“ Gefühlen auszuweichen; eher bedenkenswert, wenn du mich fragst). Wenn ich jedoch Herausforderungen, welcher Art auch immer, ins Spiel bringe, fragt ihr schnell nach dem „Warum?“, entwickelt Widerstände. Da ist plötzlich kaum noch was von Lebenslust zu spüren.

S. B.:   Ist doch kein Wunder, oder?

Leben: Im Gegenteil. Gerade hier sollte sie anfangen. Wie ihr mit Herausforderungen umgehen wollt, überlasse ich euch natürlich. Ich lasse euch immer die Wahl. Aber erst eure Neugierde, die Entwicklung von Kreativität, das Ausweiten bislang geglaubter Grenzen lässt euch erfahren, wer ihr seid oder neue Ideen von euch selbst erschaffen. Wenn das Hindernis erst überwunden ist, schaut ihr zurück. Mit Stolz und Freude; erinnerst du dich? Im Nachhinein bewertet ihr meine an euch gestellte Aufgabe meist auch ganz anders.

S. B.:   Stimmt, das hat sicherlich jeder irgendwann schon mal erlebt.

Leben: Ich bedaure aus tiefster Seele, dass mein Präsente für euch nach der Verpackung beurteilt und leicht abgelehnt werden. Ihr gebt euren negativ bewerteten Gefühlen derart viel Macht, sodass sie euch eurer Neugier auf das eigentliche Geschenk berauben. Und um die wesentliche Erfahrung, zu was ihr wirklich befähigt und in der Lage seid.

S. B.: Wow!!...  Ein abschließendes Fazit?!

Leben: Also, wenn ich auf deine Frage vom Anfang zurückkomme: Lebenslust entsteht im Einlassen auf alles, auch auf die Lebenslast - wenn ihr jederzeit zu mir „Ja!“ sagen könnt.

 

magz-Magazin März/April 2016 


Wünsch dir was!

Gegenwärtig werden besondere Herausforderungen an unser Land gestellt. Mit dem Zulauf von Flüchtlingen wird deutlich, dass wir auf keiner Insel leben. Die Globalisierung hat die Welt kleiner gemacht. Jetzt geht es nicht nur darum materiell zu teilen, sondern unsere Einstellungen und Überzeugungen, unser Maß an Respekt und Toleranz zu überprüfen. Aber auch die Grenzen unserer Freigiebigkeit sowie die Vereinbarkeit mit unserer Kultur und deren Werten. Unsere Bereitschaft ist gefordert, anzunehmen was ist, sich zu arrangieren, sich vielleicht sogar einzubringen. Wir sind verantwortlich, welche Visionen wir erschaffen und erfüllen. Nicht nur über einen absehbaren Zeitrauma von einigen Tagen, Wochen oder Monaten. Und niemand kann uns sagen, dass in einem Jahr alles wieder wie früher ist. Niemand weiß, welche Veränderungen die momentanen Ereignisse für unser Land insgesamt, aber auch für jeden Einzelnen mit sich bringen.

Der Friedensnobelpreis ging in diesem Jahr an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Dieses zeigte inmitten des arabischen Frühlings, was einem aufgewühlten Land möglich ist, wenn die Ausrichtung auf das Ziel im Vordergrund steht, statt den persönlichen Ängsten die Oberhand zu gewähren. Während in anderen arabischen Ländern die Unruhen weiter bestehen, widmet sich dieser Staat der Entwicklung von Frieden und erfüllt somit die tiefste Sehnsucht nicht nur des tunesischen, sondern eines jeden Volkes.

Wie erfüllen wir unsere Wünsche? Wann gelingen Dinge (besonders gut)? Wenn das Ziel unklar ist? Wir unsicher sind? Angst haben? Wenn andere uns beirren in unserem Vorhaben? Sicherlich nicht! Jemand sagte mal, Angst ist wie ein Gebet, dass sich etwas nicht erfüllen möge. Und bestimmt kennen Sie den Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung. Es ist keine vom Leben bestimmte Prophezeiung als Herrin über Gelingen oder Misserfolg. Wir selbst kreieren alles in unserem Inneren. Mit unserem Glauben über uns selbst, unseren Gedanken, unseren Worten; aus all dem erwächst schließlich unser Handeln. Damit erschaffen wir unsere persönliche Ausstrahlung, sodass auch unser Umfeld dementsprechend auf uns reagiert (und uns damit wiederum in unserem Glauben über uns selbst bestätigt).

Unsere Bundeskanzlerin gibt zurzeit an vielen Stellen zu, zwar noch keine feste Vorstellung zu haben, wie all die an uns herangetragenen Herausforderungen jetzt und dauerhaft zu lösen sind. Sie zeigt sich jedoch mit festem Willen, Lösungen zu schaffen. Sie ist gewiss, dass wir gemeinsam in der Lage sind, die für unseren Staat enorme Aufgabe zu bewältigen. Sie denkt zielorientiert. Lösungsorientiert. Lässt sich von Bedenkenträgern und Anklägern weder klein reden noch verunsichern. Sie gibt derzeit viel von ihrer Person, riskiert die Zukunft ihres Amtes für das Ziel, die Notlage uns fremder Menschen zu lindern, ihnen fern der eigenen Heimat ein wenig Sicherheit zu geben.

Wie wollen wir an Herausforderungen herangehen? Die globalen und die im persönlichen Umfeld? Als Hürde? Mit Angst, Sorge, Resignation? Oder als Chance. Mit Zuversicht, Vertrauen, Glauben an uns selbst, um daraus Mut und Tatkraft zu entwickeln.

Wenn Sie sich bislang fragten, was Sie dazu beitragen können, dass sich für die aktuelle Lage die besten Visionen erfüllen können, dann bedienen Sie sich der Macht Ihres Denkens. Denn das erschafft Worte für sich selbst und andere. Daraus kreiert jeder für sich und im Miteinander Taten. Wenn viele Menschen dies im besten Sinne tun, erwächst Großes daraus. Für die Gesamtheit und für jeden Einzelnen. Ihr Denken ist Ihre Wahl. Wünsch dir was! Selbsterfüllend.

Magz-Magazin Nov./Dez. 2015

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Stimmt’s?!

Der Begriff „Bestimmung“ lässt sich unterschiedlich definieren. In der Biologie ordnet es ein Individuum zu; in der Chemie wird das Vorkommen oder die Menge einer Chemikalie bestimmt. In der Schule lernen wir, dass die adverbiale Bestimmung die Art eines Geschehens oder einer Tätigkeit charakterisiert. Die Philosophie kennt ebenfalls den Begriff der Bestimmung im Sinne von Schicksal.

Wenn Menschen sich mit dem Sinn des Lebens im Allgemeinen und dem des persönlichen Daseins insbesondere beschäftigen, entsteht häufig die Frage nach der persönlichen Bestimmung. Sind wir zufällig hier? Lebe ich in meinem irdischen Sein einfach so vor mich hin? Habe mit viel Glück Erfolg, mit weniger eine halbwegs gesicherte Existenz. Oder gibt es gar eine höhere Vorsehung, die mich zu etwas Besonderem macht, mich von anderen abhebt? Das unendliche Aufkommen von Castingshows und Doku-Soaps zeigt wie wesentlich es offenbar vielen ist, in welcher Weise auch immer von anderen gesehen zu werden. Auch werden mit Hilfe unterschiedlicher Internetplattformen Freunde gesammelt, die den Anschein von Wichtigkeit vermitteln.

Erfolg und die Anerkennung durch andere stehen jedoch auf tönernen Füßen. Sind flüchtige Substanzen. Es bleibt ein anstrengendes Ringen um das Gefühl, besonders zu sein und von anderen wahr genommen zu werden. Es findet im Großen wie im Kleinen statt; sichtbar nicht nur im Fernsehen, sondern am Arbeitsplatz, in Familien, in den Schulen.

Fast unbemerkt geht mit der Suche nach der besonderen Bestimmung die Übereinstimmung mit uns selbst verloren. Der zu zahlende Preis hierfür heißt vielfach Burnout, Suchtverhalten, Vernachlässigung wichtiger sozialer Beziehungen.

In dem Begriff Bestimmung verbirgt sich aber auch der Begriff „stimmig“. Wenn Sie etwas tun, das für Sie stimmig ist, mit dem Sie in Übereinstimmung sind, zu dem Sie uneingeschränkt „ja!“ sagen können, dann erst beginnen Sie Ihrer persönlichen Bestimmung zu folgen. Unabhängig von Öffentlichkeit und Erfolg. Vielfach im Kleineren. Oftmals bemerkt  nur von Wenigen.

Doch statt mit Leichtigkeit und Freude die eigenen Fähigkeiten zu erforschen und weiter zu entwickeln, wurschteln und quälen wir uns nicht selten durch zugetragene und/oder übernommene Aufgaben und eingenommene Rollen. Wir vergessen zu überprüfen, ob sie für uns (noch) stimmig sind. Oder  wir haben Angst, sie zu verändern oder gar abzulegen, aus Sorge, die errungene Anerkennung zu verlieren. Oder Zugehörigkeit, weil sie nicht nur uns, sondern auch unserem Umfeld so vertraut sind. Das Alte gibt Sicherheit, denn wer weiß, ob das Neue gelingt? Und so investieren wir all unsere Kraft im Aufrechterhalten des Alt-Bekannten, werden frustriert, erschöpft und ungestimmt.

Wenn wir diese uns innewohnende Kraft stattdessen nutzen, uns mit unseren persönlichen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln, steigern wir Energie und Lebensfreude. Dann trennen wir uns von jenen Dingen, die uns schwächen. Wir gewinnen an Sicherheit. Beginnen, an uns selbst zu glauben und suchen uns Menschen, die das ebenfalls tun und uns daher in dem für uns Wünschenswerten unterstützen. Dann geht es nicht um Höheres, sondern um das was in uns ist. Unser Denken und Handeln fühlen sich stimmig an. Dann wird es egal, wie andere darüber denken. Bestimmt!

Magz-Magazin September/Oktober 2015


Sommer 2015

ToDo-Liste Sommer 2015: * warme Jacke raus * Bommelmütze stricken * Vogelfutter kaufen * Streusalz bereit halten‚ Winterreifen wieder aufziehen (lassen) * auf die Bikinifigur pfeifen und Plätzchen backen.

Ich wünsche uns allen, dass der Starter dieses Artikels überholt ist, wenn die Sommer-Ausgabe des magz erscheint. Was alljährlich auffällt: Egal wie das Wetter sich verhält, wir reden drüber. Für die Kieler Woche ist es zu nass, für den Garten zu trocken. Gerade noch ist es zu kalt; doch kaum hatten wir einige zügig ansteigende Grade, hallt es durch die Firmengänge und stöhnt es in Straßencafés: „Ohje, ist das warm!!“. Das durchgeschwitzte Shirt wird genauso beklagt wie das sich nun im Garten zügig breit machende Unkraut - ach nee, man sagt ja mittlerweile Wildkraut dazu -, so dass es sich wieder nicht genüsslich und Sonne beschienen im Liegestuhl entspannen lässt. Zugegebenermaßen, der Sommer lässt auf sich warten. Wieso wird aber so viel Aufmerksamkeit und verbale Energie in dieses Thema investiert? 1975 besang der niederländische Showmaster Rudi Carrell mit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ den bereits auch zu jener Zeit offenkundig vorherrschenden Mangel an Wärme und das Zuviel an Feuchtigkeit von oben. 1975? Sind die Kindheitserinnerungen da nicht angefüllt mit der kleinen Schwester im aufgeblasenen Planschbecken, mit Barfußlaufen über pieksige Wiesenhalme und die kieselige Auffahrt, mit Baden in der Ostsee und sich Einbuddeln im Strandsand? Dem trocken-braunen Rasen? Erinnert war das doch jeden Sommer so. Oder etwa nicht?

So ist das mit unserem Erinnerungsvermögen. Insbesondere, wenn es aus der Kindheit herrührt. Gereichte selbst der Regen unter Mutti’s riiiiesigem Schirm für ausgelassenen Spaß. Es waren doch Ferien. Welch ein Hochgenuss! Raus und machen, was immer Freude bereitete.

Wenn Sie jemanden fragen, wie im letzten Jahr der Sommer war, dann kommen erstaunlicherweise sehr unterschiedliche Rückmeldungen. Für diejenigen, die draußen waren zum Surfen, Radeln, Jäten, war der Sommer erinnert schöner als für jene, die sich aus Gründen des ‚schlechten’ Wetters viel drinnen aufgehalten haben.

Eine Einladung an alle, denen der Sommer zu schlecht erscheint: Nicht ständig drüber reden; damit bekräftigen Sie nur Ihren Glauben, dass sich die Wetterlage auf’s Gemüt schlägt. Verlegen Sie stattdessen Ihre Aktivitäten nach draußen. Kreieren Sie sich ganz nach ihren Möglichkeiten und individuellem Geschmack einen schönen Sommer. Gestalten Sie sich eine angenehme Gegenwart und damit eine sommerschön erinnerte Vergangenheit. Auf diese Weise ist sicher, dass in Zukunft jeder Sommer schön wird. Wetterunabhängig. Übrigens: Googelt man 'Wildkraut', findet es sich in Wikepedia u.a. als Blattgemüse. Auf die Berachtung kommt es an.

magz-Magazin Juli/August 2015

Foto: © Susanne Bichel

Glücksmomente für die Tasche

Diesen Artikel widme ich meiner Tochter Lara

Es lebte einmal ein Mann, der für seine Lebenskunst bekannt war. Niemals verließ er das Haus, ohne sich zuvor eine Handvoll Bohnen in die rechte Hosentasche zu stecken. Er tat dies nicht etwa, um eine Wegzehrung bei sich zu haben. Er nahm sie mit, um die freundlichen Momente eines jeden Tages bewusster wahrnehmen und zählen zu können.

Für jede positive Kleinigkeit, die er am Tag erlebte, für alles, das seine Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Hosentasche wandern. Mal war es eine nette Konversation auf der Straße, das freundliche Lächeln eines fremden Menschen, mal das Angebot eines Sitzplatzes im überfüllten Bus nach erschöpfender Arbeit oder das heitere Spiel von Kindern. Am Abend saß er in Ruhe und zählte die Bohnen seiner linken Tasche. Er führte sich noch einmal die größeren und kleineren positiven Ereignisse vor Augen, erlebte sie nochmals und wurde sich auf diese Weite bewusst, mit wie vielen beglückenden Momenten sein Tag gesegnet gewesen war.  (frei nach Horst Conen „Optimisten brauchen keinen Regenschirm“)

Meine Tochter trug diese Lebensweisheit offenbar bereits mit 15 Jahren in sich. In einer für mich schwer zu bewältigenden Lebensphase schenkte sie mir ein „Glückstagebuch“. Sie meinte, in mein anderes Tagebuch würde ich ja gerade all das Schwere hineinschreiben. Ich sollte nun auch ein Glückstagebuch führen. Also begann ich. Die ersten Tage war es eher schwer, mich an die schönen Momente zu erinnern. Schnell verschwanden sie gleich wieder unter meiner Trauer und meinen Ängsten. Dennoch blieb ich konsequent dabei, mir jeden Abend die angenehmen, heiteren, besonderen Momente in Erinnerung zu rufen. Erstaunlicherweise wurden es jeden Abend mehr. Nicht jedoch die Quantität der positiven Erlebnisse veränderte sich, vielmehr die Qualität meiner eigenen Wahrnehmung. Täglich fielen mir die kleinen und kleinsten Ereignisse vermehrt auf. Ich wurde bewusster für die unterschiedlichsten Freundlichkeiten des Lebens. Zuwendungen anderer. Bewältigte Herausforderungen. Mein eigenes Lächeln. Begegnungen. Eine Ameise, die eine Last mit dem X-fachen ihres eigenen Gewichts über meine Terrasse schleppte. Das Rauschen der Äste einer Tanne über mir, weil es mich an meine Kinderzeit auf dem Spielplatz erinnerte. Ich genoss die Sonne, die es mir ermöglichte, draußen aktiv zu sein. Nicht weniger schätzte ich irgendwann genauso die kleinen Auszeiten auf der Couch bei grau verhangenem Himmel. Erholungsphasen, die mich zurück in meine Kraft brachten.

Irgendwann hatte ich mehr in mein Glückstagebuch zu schreiben als in mein „normales“. Gleichzeitig erlebte ich, wie viel an Gutem ausschließlich in meiner Weise der Betrachtung von Dingen liegt. Dass ich ähnliche Ereignisse unterschiedlich bewerte; abhängig von meiner momentanen Verfassung (kleine Pausen helfen da oft :).

Vorteil der Bohnen-Methode ist, sich des Guten bereits im jeweiligen Moment bewusst zu sein und ihn sich am Abend nochmals zu vergegenwärtigen. Vielleicht lassen Sie sich von diesem Artikel einladen, gerade jetzt einmal einen Moment inne zu halten und den bislang verstrichenen Tag Revue passieren zu lassen: Wie viele Bohnen hätten Sie für heute bereits in Ihrer linken Tasche?

magz-Magazin Mai/Juni 2015

Foto: © Rainer Harting

(K) eine Lust?!

Bemerkenswert! In wie viel Schwung das herannahende Frühjahr mich versetzt. Was mit einem Mal an Motivation da ist - zu planen, zu kreieren und auch anzugehen. Etwas lässt mich plötzlich mit Leichtigkeit Dinge tun, die einen Tag zuvor noch undenkbar waren.

Es scheint also eine Kraft zu geben, die zum rechten Zeitpunkt wirkt. Ich brauche mich weder anzutreiben noch zu schelten, wenn ich mich nicht aus dem Wintermodus zwinge. Denn:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit, töten (krank sein)* hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit, abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit, weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine werfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit, herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen (allein sein)* hat seine Zeit, suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit, verhalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit, zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit, schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit, lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit, Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. Man mühe sich ab wie man will, so hat man keinen Gewinn davon … Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Muts in allen seinen Werken, das ist eine Gabe Gottes (Lebenskunst)*   

Bibel, Prediger 13    (* = Ergänzung der Verfasserin)

Was tun die meisten hingegen? Zwingen sich, neben den alltäglichen Aufgaben Extras zu erledigen, ob es gerade an der Zeit ist oder nicht. Haben bei Erschöpfung ein schlechtes Gewissen, treiben sich für ein besseres Gewissen weiter an, geraten mehr in die Erschöpfung, haben immer weniger Lust zu irgendwas - vielfach nachher nicht mal mehr zu den schönen Dingen des Lebens. Ich nutze mein Unterbewusstes. Mit Hilfe eines Din-A4-Zettels (keine Kleinzettelwirtschaft! - das macht Stress) informiere ich es darüber, was ich zu tun gedenke, indem ich alle unerledigten und nicht alltäglichen Aufgaben aufschreibe: Schuppen streichen, Hakenleiste anbohren, Artikel schreiben, Flur renovieren, Homepage bearbeiten, Keller aufräumen, Wäsche reparieren, Fotos sortieren usw. Ich erlaube mir das zu tun, was am heutigen Tag, im jetzigen Moment leicht geht, lasse mich vom Unterbewussten motivieren statt mich vom Verstand zu zwingen. Etwas auf diesem Zettel spricht mich immer an. Gerne schiebe ich z. B. Malerarbeiten vor mir her. Aber eines Morgens und ohne mein bewusstes Dazutun habe ich richtig Lust, Farbe zu besorgen, mir Musik anzumachen und das schöne Wetter zu nutzen, den Schuppen zu streichen. Ich genieße das Draußen sein und überraschenderweise sogar das Malen. Das anschließende Ausstreichen dieses Punktes auf meiner Din-A4-Liste macht richtig Spaß J

Zudem erlaube ich mir, meinen müden Impulsen zu folgen und Auszeiten zu nehmen. 20 Minuten, eine Stunde, einen Nachmittag oder gar mal einen Tag. Der Erfolg liegt in der Freiheit zu wählen. Auf diese Weise schaffe ich wider Erwarten viel; sogar mehr als früher. Das aber vor allem ganz leicht. Mit Freude. Aus meiner Kraft heraus. Mit Lust und Laune.

  

magz-Magazin März/April 2015

Foto: © Fotolia_65030530_trueffelpix

Die Magie der Intuition

Haben Sie Lust auf ein Experiment? Dann werfen Sie – bevor Sie diesen Text weiter lesen - für maximal ein bis zwei Sekunden einen Blick auf das Foto links von diesem Artikel. Jetzt! ………. Gut so. Nun einige Fragen für Sie, die Sie spontan und frei heraus beantworten (keine Sorge, ich erfahre ja nichts davon): Wie wirkt diese Frau auf Sie? Sympathisch oder eher unsympathisch? Interessant oder langweilig? Vertrauenswürdig oder eher nicht? Löst das Foto eher ein unangenehmes Gefühl in Ihnen aus, wie z. B. Ablehnung? Oder lässt es Sie vielleicht sogar lächeln? Selbst wenn Sie vor Lesen des Artikels bereits auf das Bild geschaut haben oder Ihr Blick länger als zwei Sekunden verweilte - nicht schlimm. Ihre erste Entscheidung wie Sie diese Person erleben, wurde bereits in einer Zeit deutlich vor einer Sekunde getroffen. „Intuitiv“ hat etwas in Ihnen sofort all die von mir gestellten Fragen beantwortet. Woher haben wir diese „Intuition“, die in jeder persönlichen Begegnung mit Menschen oder in Situationen auftritt? Es handelt sich um eine Sammlung von Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben. Sie haben bei meinem Foto auf Auslöser reagiert, die Sie unbewusst mit etwas Bekanntem verbinden. Die Art des Blicks, die Form des Mundes, Mimik, die Haltung des Kopfes. Im direkten Kontakt kommen natürlich noch viel mehr Faktoren hinzu wie Körperhaltung, Kleidung, Gestik, u. v. m.. Das Gesamtbild oder auch nur Teile davon lösen Behagen oder Unbehagen aus. Das ist auch der Grund, warum wir uns manchen Menschen partout nicht entziehen können, während wir uns auf andere wiederum entgegen jeder Vernunft („Der/die hat mir doch gar nichts getan!“) nicht einlassen mögen. Evolutionsgeschichtlich betrachtet eine lebensrettende Einrichtung. Müssten wir bei jeder Begegnung, in jeder neuen Situation erst einmal unser gesamtes Repertoire an Wissen durchforsten, um eine Ahnung zu bekommen, ob wir uns in Sicherheit befinden, hätte uns dies vermutlich mehr als einmal das Leben gekostet. Ganz unbewusst und innerhalb von 100stel Sekunden werden uns massenhaft auf Körperzellebene gespeicherte Informationen zur Verfügung gestellt, um in fast genau der gleichen Zeit den Impuls von Kämpfen oder Flüchten umzusetzen und damit (Über-)Leben zu sichern. Nun ist mein Foto nicht gerade bedrohlich - hoffe ich jedenfalls -; dennoch ist es durchaus hilfreich, grundsätzlich dem inneren Wissen fernab des Bewusstseins zu vertrauen. Etwas „in uns“ weiß meistens sehr genau, ob ein Job, eine Begegnung oder eine Wohnung für uns persönlich richtig ist oder nicht.

Während der Entscheidungsfindung von Brokern am Aktienmarkt wurde über Sensoren der Hautwiderstand registriert. Es zeigte sich, dass der Erfolg einer Aktie durch den Körper schneller und sicherer angezeigt wurde als durch die bewusste Entscheidung des Brokers.

Dies soll durchaus keine Einladung sein, Ihre Intuition beim Spekulieren am Aktienmarkt auszuprobieren! Gönnen Sie sich jedoch hin und wieder ganz spielerisch, im Alltag auf ein zuerst auftretendes „Ja!“ oder „Nein!“ in Ihnen zu achten. Nehmen Sie Ihre intuitiven Impulse wahr. Ganz bewusst.

 

magz-Magazin Febr./März 2015

Foto: © Fotolia_41051929_SwetlanaWall

… wie dich selbst

Vielleicht etwas wider Erwarten lesen Sie jetzt nichts über weihnachtliche Nächstenliebe. Wir geben in dieser (vor-)weihnachtlichen Zeit alle ein bisschen mehr und leichter von uns. Einfach aus uns heraus. Dies ist nur Brücke hin zum Thema.

Sie glauben, Liebe sei ein Gefühl? Ein Gefühl braucht einen - meist äußeren - Auslöser. Genau genommen ist Liebe ein Zustand. Etwas, das da ist. Ebenso wie die Angst. Sie können sich durchaus in ein Gefühl von „Furcht oder Ängstlichkeit“ versetzen, indem Sie z. B. mit der Geisterbahn fahren. Der Zustand der Angst wird jedoch in Ihnen ausgelöst. Im wahrsten Sinne des Satzes wird etwas aus Ihnen herausgelöst, das als Zustand längst da ist. Angst entspringt unserem ältesten Teil des Gehirns und ist etwas sehr Notwendiges, um Überleben zu sichern. Im Kleinen lässt sie uns vorsichtig sein. Am Bergabgrund stehend ist sie durchaus angebracht. Manchmal taucht sie einfach auf. Selbst wenn Sie rational erfassen, dass keine Gefahr für Leib und Leben besteht, wird z. B. das Sprechen vor einer Gruppe zu etwas sehr bedrohlich Empfundenem.

Warum ich erst einmal über Angst schreibe? Nun: Diesen nur wenig steuerbaren Zustand kennen wir alle in den unterschiedlichsten Alltagssituationen. Und: Die Angst ist der Gegenpol der Liebe. Angst und Liebe können nie gleichzeitig anwesend sein.

Auch die Liebe ist ein Zustand, der bereits Teil von mir ist. Wenn ich in der Liebe bin, fühle ich mich wohl, bin erfüllt, kann sie mit Leichtigkeit nach Außen bringen, ausbreiten, andere daran teilhaben lassen. Ganz leicht. Sind wir nicht mehr im Zustand der Liebe, schaffen wir Platz für die Angst. Angst, verlassen zu werden, allein zu bleiben, ungenügend oder gar „verkehrt“ zu sein. Wir kehren uns schützend nach innen, verschließen uns vor der Welt.

Im Zustand der Liebe fühle ich mich wohl. Ich bin richtig wie ich bin. Ich traue mich, Herausforderungen zu bewältigen. Kritik mache ich nicht am eigenen Selbst, sondern an meinem durchaus auch mal unangemessenen Verhalten oder einem Sachverhalt fest. Die Meinung anderer über mich, mindert nicht meinen Selbstwert.

Was lässt uns aus dem Zustand der Liebe „heraus fallen“? Genau genommen, verlieren wir den Kontakt mit uns selbst. Wir neigen dazu, uns zu beschimpfen, weil etwas nicht gelingt, statt dass wir uns selbst tröstend zusprechen. Wohlwollend, wie Sie es vermutlich auch mit einem Kind tun würden, um Mut für einen nächsten Schritt zu machen. Wir sind ungnädig mit uns selbst, sprechen in der Sprache der zahlreichen Er-Zieher unserer Kindheit. Wir jagen und hetzen uns durch unser Leben statt uns immer wieder den Augenblick gegenwärtig zu machen. Wir definieren uns über die Fürsorge anderen gegenüber und übergehen dabei persönliche Bedürfnisse. Wir vertrauen unserer Körpersprache nicht, die längst sagt: “Es ist genug!“. Stattdessen hoffen und erwarten wir, dass doch auch mal andere Menschen (vielfach ist es die Last des Partners, dies zu tun) unsere inneren Defizite ausgleichen.

Die Liebe ist vergleichbar mit dem Balancestab des Seiltänzers. Während ich mich auf dem Seil des Lebens bewege, hält mich der Zustand von Liebe im inneren Gleichgewicht. Durchaus gibt es Momente der Angst oder größere Abschnitte von Verunsicherung. So ist Leben. Mit der Liebe in mir, mit der Liebe für mich bringe ich mich jedoch wieder ins rechte Lot. Ich kann das, was mir im Außen begegnet, mit mehr Abstand betrachten und angemessen reagieren.

Wenn diese Balance gut gelingt, gewinne ich Kraft und Energie für sowie Zutrauen in mich selbst. Die Liebe, die aus der Selbstfürsorge heraus erwächst, lässt letztendlich reichlich Liebe für andere übrig. Nach und nach erschaffe ich einen Reichtum an Liebe in mir. Erst im Überfließen werden Zuwendung und Fürsorge für andere leicht, bleiben im Alltag beständig und verschaffen Geber wie Nehmer Freude. Über Weihnachten hinaus.

 

magz-Magazin Nov./Dez. 2014


Worauf es ankommt

Sind Sie gut angekommen? An Ihren Urlaubsort. Wieder zu Hause zurück von einem Ausflug oder einer Reise.

Voraussetzung für das Ankommen ist ein Ziel. Wir kommen von irgendwo her und wollen irgendwo anders hin. Es gibt einen Ausgangspunkt, ein Ziel und dazwischen - ganz wesentlich, um das Ankommen erst möglich zu machen - Bewegung.

Wenn es um Urlaubsreisen geht, ist das Prinzip des Ankommens klar. Ziel soll ein gewählter Ort sein. Oder eine bestimmte Erfahrung, z. B. sich gut zu erholen, vielleicht etwas Außergewöhnliches oder eine Facette von sich zu erleben, was im Alltag wenig möglich ist.

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit spricht der ein oder die andere von der Sehnsucht des Ankommens bei sich selbst. Ist der Wunsch dieser Form des Ankommens gleichfalls verbunden mit einem bestimmten Ziel? Haben wir eine Vorstellung davon, wo wir überhaupt landen wollen, wenn wir sagen, „Ich möchte endlich (mal) bei mir ankommen!“? Offenbar tragen wir bereits einen Eindruck davon in uns, wie „es“ sich anfühlen könnte dieses Ankommen; sonst wäre solch eine Äußerung kaum möglich. Auch scheint es sich weniger um einen Gedanken als vielmehr um ein Gefühl bezüglich  des Ziels in uns zu handeln.

Ausgelöst wird dieser Wunsch nach Ankommen oftmals durch äußere Faktoren. Der Erfolg eines Kollegen, das Outfit eines Modells auf der Plakatwand oder der Lebenswandel eines Vorbildes im eigenen Lebensumfeld strahlen etwas auf uns aus, das uns das Gegenüber bewundern und uns selbst gleichzeitig im Mangel fühlen lässt. Nun beginnen wir vielleicht zu kopieren in dem Wunsch, ebenfalls eine solche Außenwirkung zu erzielen. Es ist wie ein inneres Wissen, wie es sich anfühlen muss, mit dieser Ausstrahlung unterwegs zu sein.

Wichtig zu wissen ist: Jedes uns ansprechende Gegenüber ist Spiegel dessen, was wir bereits in uns selbst tragen. Das Bewundern ist der Beginn der Suche nach diesem „Etwas“. Doch wie können wir dort hin gelangen? Wie kommen wir irgendwann bei uns selbst an?

Ein neues Kleidungsstück, eine andere Frisur oder ein Erfolgserlebnis sind eine kurze Erfahrung dessen wie wir uns (auf Dauer) fühlen wollen. All diese Dinge sind Analogien, Sinnbilder unserer  ureigenen Persönlichkeit, die in unserem Inneren schlummert und entdeckt werden will. Bei sich selbst ankommen meint, den eigenen Wesenskern zu entdecken und entsprechend zu leben, damit es sich stets so anfühlt wie mit dem neuen Kleidungsstück, der anderen Frisur, dem errungenen Erfolg. Dann braucht es keine Eindrücke mehr; vielmehr werden wir  zum Ausdruck. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist Charisma. Kleidung, Frisur und Erfolg unterstreichen den Ausdruck unseres Selbst. Charisma lässt sich nicht kopieren, nur selbst ausstrahlen.

Erlauben Sie sich, bewundernd auf jemand anderen zu schauen. Registrieren Sie bewusst, welchen Wunsch, welches Gefühl die Ausstrahlung oder Fähigkeit einer anderen Person in Ihnen auslöst. Alles ist bereits in Ihnen; ist noch ungelebter Teil. Nur deshalb können Sie es wahr nehmen. Damit beginnt die Bewegung in Richtung Ihrer ganz eigenen Individualität und Ausstrahlung. Sie bekommen nicht nur eine Idee von sich. Vielmehr beginnt das Entdecken und Verwirklichen des eigenen Selbst - und damit das Ankommen bei sich selbst. Nur darauf kommt es an.

 

magz-Magazin Sept./Okt. 2015

Foto: © Rainer Harting

Inspiration


Der Begriff Inspiration bedeutet (lat.) „Beseelung" oder „Einhauchen von Spiritus (Leben, Seele, Geist)". Allgemein sprachlich steht es für Eingebung, einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Aktivität. Einige Bespiele fallen diesbezüglich vermutlich sofort ein: Ein Maler lässt sich von einer Landschaft für sein nächstes Werk inspirieren, der Autor von einer persönlichen Lebenssituation zu einer Vorlage für einen Roman.


Wovon lassen wir uns inspirieren? Beim Verfassen des Artikels merke ich, dass der Begriff zwar irgendwie zu meinem Alltag gehört, ich selbst die Frage aber gar nicht so leicht beantworten kann. Schließlich geht es nicht nur um das „Wovon?", fehlt hier doch der wesentliche Schritt zum „Zu was?". Und inwieweit setze ich ggf. spontane „Geistesblitze" um?
Wovon lassen Menschen wie Sie und ich sich inspirieren? Völlig unspektakulär. Im Alltag. Registrieren wir bewusst, wenn wir inspiriert werden? Ich meine nicht im Großen, wenn wir „den Einfall" schlechthin haben. Sondern jene Momente, die einladen, etwas lediglich ein klein wenig anders zu machen. Lassen wir uns dann darauf ein? Hier einige Impulsgeber zum Ausprobieren: Putzen Sie als Rechtshänder mal mit Links die Zähne. Schreiben Sie Wörter gleichzeitig mit der linken und der rechten Hand oder spiegelverkehrt. Wechseln Sie die Perspektive, indem Sie auf einem anderen Platz am Tisch sitzen. Frühstücken Sie mal abends. Tun Sie - mit einem Kind oder ohne - Dinge, für die Sie sich schon lange „viel zu erwachsen" fühlen und überraschen sich selbst mit der Feststellung: „Toller Schmierkram mit den Fingerfarben!" Bestellen Sie in einem Restaurant etwas von der Karte, das Sie noch nie probiert haben oder lassen sich auf eine Überraschung ein, indem Sie Ihre Begleitung oder den Kellner bitten, etwas für Sie auszuwählen.
Mit jeder ungewohnten Handlung schaffen Sie ganz nebenbei millionenfach neue Nervenzellen im Gehirn und verknüpfen diese zu Nervenbahnen. Wissenschaftler nennen das Neuroplastizität (dies zur Info, falls Sie ein paar weitere neuronale Trampelpfade wünschen und daher im Internet forschen möchten). Sie entwickeln also nicht nur Freude am Ausprobieren von Neuem, sondern zudem die Fähigkeiten Ihres Gehirns. Parallel dazu wächst die Bereitschaft, sich einzulassen. Kleine Ideenblitze werden zu wundervollen Gelegenheiten, das Spektrum, auf Veränderungen des Lebens zu reagieren, zu erweitern.
Seit einem einschneidenden Lebensumbruch hängt in meiner Küche ein Vers von Friedrich Dürrenmatt: „Je planmäßiger der Mensch vorgeht, desto wirksamer trifft ihn der Zufall."
Je mehr Sie die Möglichkeiten kleiner Herausforderungen annehmen, desto größer Ihr „Trainingslager" für die Eventualitäten des Lebens, die unangekündigt einfach so daher kommen. Im Kleinen zu beginnen, geht ohne Druck, macht sogar Spaß und weist gleichzeitig darauf hin, wo Denken sowie Verhalten eingefahren und unflexibel geworden sind. So begegnen Sie künftig auch dem größeren „Zufall" mit dem Potential vielseitiger Lösungsmöglichkeiten und der Erfahrung von mehr Gelassenheit nicht Vertrautem gegenüber. Damit brauchen Sie weder das Malen noch Bücher zu schreiben zu beginnen - Sie werden zum Lebenskünstler.


magz-Magazin Juli/August 2014


©  francisco-67219513

Sinn-Suche


Seit Beginn der Menschheit (oder zumindest seit sie im Besitz des Großhirns ist) suchen wir nach dem Sinn des Lebens. Selten erahnen wir dieses Gefühl von Lebenssinn. Ein Erleben tiefster Zufriedenheit. Die Welt erscheint genau richtig - dabei ist sie doch eigentlich so wie immer. Wie alle angenehmen Gefühle ist uns dieses herzlich willkommen. Irgendwann jedoch geraten wir wieder aus dem inneren Gleichgewicht. Alte Ängste steigen auf, Einsamkeit macht sich breit, die Traurigkeit scheint immer noch in uns zu wohnen. Statt auch jetzt im wahrsten Sinne des Wortes im Mitgefühl für uns zu bleiben, nutzen wir die zahlreichen Möglichkeiten, uns von uns selbst abzulenken (Welches sind Ihre?). Manchmal wirklich erleichternd und notwendig. Sind wir jedoch unbewusst und bleiben in unseren „Ablenkungsmanövern" werden sie leicht zum „Fast-Feeling".
Zumeist sind wir uns der vielen Facetten unserer ganz alltäglichen Handlungen nicht bewusst. Wir jagen ständig irgendetwas hinterher, damit „es" sich wieder gut anfühlt. Oder wir fühlen uns in eine Alltagstretmühle genötigt, in der wir Sisyphos gleich den Berg an Aufgaben abarbeiten, ohne noch wahr zu nehmen, wie wir gerade etwas tun und was wir dabei empfinden. So fühlen wir uns bei allem Bemühen nie gut genug, rinnt die Zeit davon, ist alles zuviel. Wir erschaffen Raum für körperliche sowie seelische Belastungsbeschwerden und Lebenssinn will sich auch nicht einstellen.
Mopic-Fotolia_51102905_S-IrrgartenWir geben viel von unserer persönlichen Freiheit auf, wenn wir nicht bewusst in unserem Handeln sind oder uns „auf die Schnelle" ein Wohlgefühl durch Ablenkung im Außen verschaffen. Der Sinn des Lebens liegt nicht außerhalb von uns selbst. Der Sinn des Lebens liegt im Leben selbst. Im Sein. Sein ist (schon grammatikalisch) immer nur Gegenwart. Somit kann auch der Sinn des Lebens nur in der Gegenwart zu finden sein.
Sie fragen sich jetzt vermutlich: Aber wie entdecke ich denn nun diesen Sinn? Jeder Moment löst ein Gefühl aus. Angenehm oder unangenehm. Grund genug, das gesamte Leben so zu gestalten, dass ich zu dem, was ich tue „Ja!" sage. Das dürfen durchaus viel Arbeit, leibliche Genüsse, Shoppingtouren und Ausgehen sein. Ganz bewusst! Stellt sich aber ein inneres „Nein!" z. B. beim Zuviel ein, verändere ich mein Tun bis ich wieder in dem Gefühl von „Ja!" und somit in Übereinstimmung mit mir selbst bin. Erst im bewussten „Ja!"- und „Nein!"-Sagen wird deutlich, dass ich eine Wahl habe. Jedes Tun oder Nicht-Tun ist meine ganz persönliche Entscheidung. Ein inneres „Nein!" fordert zur Veränderung auf und, wenn hierzu keine Bereitschaft besteht, zum bewussten „Ja!" zu meinem „Nein!" und damit zu den daraus resultierenden Konsequenzen. Das klingt nicht gerade bequem. Zugegeben. Doch es entsteht ein bewusster Kontakt mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen. Mit meinem „Ja!" und „Nein!" werde ich mehr und mehr aktive/r Gestalter/in meines eigenen Lebens. Mit einiger Übung stellt sich ein Wohlgefühl ein, das auch dem Alltag Stand hält. Nach und nach eröffnet sich mir mein individueller Lebenssinn.
Niemand außer mir kennt meinen Sinn des Lebens. Entdeckt durch das „Ja!" zum Leben in all meinen Erscheinungsformen. Also: Lebe. Jetzt!


magz-Magazin März/April 2014
© Mopic-Fotolia_51102905_S-Irrgarten

Lustig leben oder lieber Lebenslust?
(ungekürzte Fassung)
Was macht uns eigentlich Lust auf Leben? Wenn… alles glatt geht? Wir Urlaub haben? Die Sonne scheint? Partner- oder familiäre Beziehungen harmonisch sind? Der Genuss einer Tüte Chips?
Für viele ist das Gefühl von Lebenslust die Ausnahmesituation des Alltagsdaseins. Weil sie fast ausschließlich während Hoch-Zeiten empfunden werden. Schade, oder!?!

Was verhindert, auch in Zeiten außerhalb dieser gefühlten „Hochs", die Lebenslust weiterhin zu spüren? Da ist es wichtig einmal herauszufinden, was wir stattdessen spüren. Eventuell die Sorge, ein Problem nicht lösen zu können? Mutlosigkeit, weil so vieles zu bewältigen ist. Erschöpfung, Dinge des Alltags anzugehen. Oder fürchte ich Konsequenzen als Folge meiner Entscheidungen? Die Last, Verantwortung tragen zu müssen? Was auch immer es für jeden einzelnen sein mag, es hindert daran, sich kraftvoll und zuversichtlich zu fühlen. Halt wirklich voll Freude und Leben.
Denken Sie in einer Situation, die Ihnen Lebenskraft raubt, auch daran, was Sie in Ihrem Leben bereits alles bewältigt haben? Gehören Sie vielleicht zu jenen, die die bestandene Führerscheinprüfung (und sei es im zweiten oder dritten Anlauf), die Bewältigung einer Beziehungskrise, die Geburt des Kindes als „normal" abtun und sich somit der Wahrnehmung eigener Fähigkeiten in unangenehmen Situationen berauben? Durch jede Bewältigung einer Krise, jedes Durchlaufen von größeren, kleineren und in Ihren Augen vielleicht kleinsten Herausforderungen haben Sie Handwerkszeug entwickelt, das Sie parat haben für nächste größere Schritte in Ihrem Leben. Das Anerkennen Ihrer Ressourcen verändert den Blick auf Alltagshürden, Krisen und Schwierigkeiten. Das ist dann ein bisschen wie beim Bergsteigen. Als erstes bestimmen Sie die Höhe des Berges, den Sie besteigen wollen (oder vielleicht auch nur einen Abschnitt davon). Auf dem Weg vom Tal über den noch leicht ansteigenden Fuß eines Berges bis hin zum steilen unwegsamen Gelände des Gipfels entwickeln Sie Techniken, bauen Muskulatur auf, werden kräftiger, wendiger und geschmeidiger, um dann genau das parat zu haben, was Sie benötigen, um wiederum nächste schwierigere Abschnitte zu bewältigen und Sie Ihrem Ziel näher zu bringen.
Ab und an lohnt auch ein Blick zurück. Stellen Sie fest, dass Sie durchaus voran gekommen sind.
Vermeiden Sie den ständigen Vergleich mit anderen, um im selben Zuge Ihre eigenen Fähigkeiten abzuwerten. Nehmen Sie vielmehr bewusst wahr, dass Sie selbst ganz individuelle Möglichkeiten besitzen, um Ihre Lebenshürden zu überwinden.
Es ist zudem hilfreich und Kraft sparend, sich hinreichend Zeit zu geben für den Weg zum Ziel. Entdecken Sie Ihr persönliches Tempo; ein gewisses Maß an Gelassenheit entwickelt sich wie von selbst mit. Wenn wir zu schnell einen Weg bewältigen wollen, übersehen wir leicht eines unserer wesentlichen Talente, eine effiziente Lösungsmöglichkeit oder gar eine helfende Hand. Wer das Tempo reduziert, macht zudem vielleicht noch andere Wegstrecken zum Gipfel aus. Weniger beschwerliche, mit freundlicheren Aussichten.

Entscheiden Sie sich, den Weg zum Ziel bereits zum Anlass für viel Lebenslust zu machen. Das ist nicht immer lustig; Belohnung sind jedoch der Weg selbst, das Erreichen des Ziels sowie ein Innehalten bei herrlichem Ausblick - auf sich selbst.

magz-Magazin Sept./Okt. 2013



Auszeit im Sommer - Ausnahmezustand oder Lebenshaltung?
Vorfreude auf den Urlaub. Ohne Kalender. Kein Termindruck. Dringliche Aufgaben zurück stellen. Wer zu Hause bleibt: Nur die Dinge tun, die sich nicht vermeiden lassen. Stattdessen Ausflüge machen. Das Sommerwetter genießen. Manch einer will und kann dem Alltag sogar komplett entfliehen und „die schönste Zeit des Jahres" fernab von häuslichen Pflichten und persönlichem Umfeld verbringen. Persönliche Urlaubsträume werden nach dem individuellen Kontingent von Zeit und Portemonnaie umgesetzt. Mal gedankenverloren vor sich hin träumen statt Lösungen zu erarbeiten oder irgendeinen Ablauf strukturieren zu müssen. Frei sein von äußerlichen Verpflichtungen und nur sich selbst gegenüber verantwortlich sein. Alles tun können, aber nichts tun müssen.
Sicherlich genießt jeder von uns diese Momente in besonderem Maße. Manch einer jedoch fiebert dem nächsten Urlaub derart entgegen, dass die Zeit am Arbeitsplatz sich anfühlt, als würde sie sich außerhalb des eigenen Lebens befinden. Und das persönliche Leben fängt erst wieder mit dem Feierabend an.

Warum geht es uns gerade im Urlaub so gut?
Wir nehmen uns aus der Zeit heraus. Wir sind im besten Fall nur an dem Zeitpunkt, dem Moment, der sich uns gerade bietet. Wir grübeln nicht über Vergangenes und sorgen uns nicht um die Zukunft. Wir machen uns weder Gedanken um die künftige Rente noch um sonstige mögliche Katastrophen. Wir sind gedanklich nicht mehr „ganz woanders". Das ist einer der Gründe, warum die meisten von uns sich so sehr auf den Urlaub freuen. Es ist die Aneinanderreihung von gefühlten Augenblicken. Der Augenblick, der uns genau an diesem Ort und nur im aktuellen Moment sein lässt, und der uns endlich Wohlbefinden und Entspannung beschert. In diesem Zustand fühlt sich alles genau richtig an. Wir sind ganz bei uns. Nicht bei irgendwas anderem. Und nicht irgendwo anders.
Bereits der vorletzte Urlaubstag, der Rückflug, spätestens aber der erste Arbeitstag wird zur Vertreibung aus dem Paradies. Der Alltagsdruck hat uns wieder. Wir sind in Sorge darum, was in der Zukunft geschehen könnte, bedauern längst Vergangenes und leben wieder mit unseren Befürchtungen. Der Kopf wird wieder zu unserem ständigen Antreiber.

Wie wäre es, wenn Ihnen jemand sagen würde, dass es möglich ist, sich weitestgehend jeden Moment in dem Gefühl von „Auszeit" zu befinden? Wenn Ihnen jemand sagen würde, dass es möglich ist, indem Sie z. B. überprüfen, ob Sie Ihrem Gedanken Glauben schenken möchten, dass es gerade notwendig ist, derart zu hetzen. Vielleicht geht es - als ersten Anfang - ja mal eine Nuance langsamer. Und - wenn Ihnen das neue Tempo vertraut geworden ist - eine weitere Nuance langsamer. Sie werden innerlich ruhiger. Und auf wundervolle Weise schaffen Sie alle Aufgaben genauso wie zuvor. Nur halt entspannter. Irgendwann sogar besser. Weil weniger Fehler entstehen, die korrigiert werden müssen. Sie sich besser fokussieren auf das, was Sie tun. Entschleunigen Sie ein bisschen, wenn Sie mit jemandem im Kontakt sind: Im Gespräch mit einem Kollegen. Beim Verbandswechsel bei einem Patienten. Während der Beschwerde eines Kunden. Beim Spiel mit Ihrem Kind. Der Erzählung Ihres Partners. Beim Lesen dieses Artikels. Beim sachten In-Erscheinung-treten eines eigenen Bedürfnisses. Verinnerlichen Sie sich das chines. Sprichwort: "Wenn du schnell sein willst, gehe langsam." Nach und nach entwickelt sich Ihr Bewusstsein für den Augenblick.

Wenn Ihnen jemand sagen würde, dass das mit der Auszeit auch im Alltag funktioniert, wäre das nicht wunderbar?

magz-Magazin Juli/August 2013
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Leidenschaf(f)ten
Ich bin eine Freundin von Wortspielen. Und als ich das Thema der neuesten magz-Ausgabe hörte, nämlich Leidenschaft, fiel mir erst einmal gar nichts ein. Außer Wortspielen. Auffallend ist, dass sich aus dem Wort selbst jede Menge vor allem negative Veränderungen bilden lassen: „Leidenschaft schafft Leiden" hätte meine Großmutter gesagt. Eine Generation, für die Pflicht sowie Verleugnen persönlicher Bedürfnisse grundlegend waren. Lebendige Freude und kreative Lebenslust fehlten oftmals nicht nur aufgrund des Mangels an Zeit, waren doch zudem die Lebensumstände häufig derart schwer, dass die Sicherung existentieller Grundlagen im Vordergrund stand. Zudem wurde Leidenschaft oft mit der sexuellen Lust gleichgesetzt, so dass das Wort schon aus moralischen Gründen verpönt war.

Leiden lässt sich auch erschaffen. Als Gegensatz von „Jeder ist seines Glückes Schmied", indem wir unseren Fokus in besonderer Weise gerade auf das richten, was uns Energie raubt und damit schwächt; in überbesorgter Weise auf Körpersymptome, auf das grummelige Gesicht unseres Gegenübers während einer Begegnung, auf Worte anderer oder eigene, die gesagt oder nicht gesagt wurden.

Leiden kann einen Menschen vor allem schaffen. Schaffen im Sinne von extrem belasten; im schlimmsten Fall in dem Glauben, Leben nicht mehr bewältigen zu können. Wenn Kraft, Energie und Lebensfreude weichen, weil Gefühle und Gedanken derart viel Raum einnehmen mit dem Empfinden von existentieller Bedrohung sowie der Angst, dass sich der aktuelle oder vielleicht sogar bereits länger andauernde Zustand niemals mehr ändern wird.

Im Coaching und in der Psychotherapie wird viel mit Ressourcen gearbeitet. Das sind diejenigen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die uns irgendwann einmal die Energie gegeben haben, eine schwierige Situation zu bewältigen. Es sind jene Kräfte in uns, die uns dann, wenn wir leiden, oftmals nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber jede Leidenssituation macht auch einmal Pause. Es gibt immer wieder Momente, wo wir wieder zuversichtlicher nach vorne schauen und eine Ahnung davon bekommen, dass noch ein Funken von Lebensfreude in uns steckt. Greifen Sie sich solch einen Moment. Schenken Sie sich dann eine ganze Stunde (!) um aufzuschreiben, was Sie alles schon an großen, aber auch in Ihren Augen ganz kleinen Dingen geschafft haben: Den Führerschein, Ihre Ausbildung, die Bewältigung einer Krise mit Partner oder Freundin, die Geburt eines Kindes, das Trösten eines Menschen, das Gestalten eines Raumes. Notieren Sie auch, was Sie als Kind und Jugendliche gerne gemacht haben - oder, wenn es Ihnen nicht gestattet war, gerne gemacht hätten. Machen Sie sich eine lange Liste mit Begriffen, die Ihnen zeigen, was Sie ausmacht und die Ihnen immer dann zur Verfügung steht, wenn die Zeiten für die Seele wieder dunkler sind. Lesen Sie sich in solchen Momenten Ihre Ressourcen laut vor. Mehrmals täglich und besonders vor dem Schlafengehen. Wann immer Ihnen der Glauben an sich selbst fehlt. Auch wenn Sie in jenen Momenten zweifeln, dass noch irgendetwas auf dieser Liste Teil Ihrer Selbst ist; etwas in Ihnen weiß, dass Ihnen diese Kräfte zur Verfügung stehen und wiederentdeckt werden wollen. Daraus können nach und nach alte oder auch neue Fähigkeiten erwach(s)en. Vielleicht erschaffen Sie dann sogar aus Leiden Lebensfreude spendende Leidenschaften.

magz-Magazin Mai/Juni 2013

KN - 15.05.2013 - Ostholsteiner Teil - Gesundheitsseite

Neuland entdecken
Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Straßenatlas von 1974 durch die neuen Bundesländer. Hilfreich? Wohl eher nicht! Vieles hat sich seitdem verändert. Neue Straßenzüge sind hinzu gekommen, Ortschaften haben sich vergrößert und aus der ehemals kleinen Landstraße ist eine Autobahn geworden. Nur eine Straßenkarte, die regelmäßig den Entwicklungen der Verkehrsnetze angepasst wird, ist eine zuverlässige Unterstützung, wenn es darum geht, sich in unbekannten Regionen zu orientieren.
Die Übereinstimmung der Karte mit der realen Umgebung wird umso wichtiger je unbekannter die Landschaft ist, in der wir uns bewegen. Die Zuverlässigkeit der Karte bestimmt das Maß der Anstrengung sowie den Erfolg, das angestrebte Ziel zu erreichen. Es bringt einen also im wahrsten Sinne des Wortes „weiter", seinen Kartenbestand im Auto oder die Version des Navis hin und wieder auf seine Aktualität zu überprüfen.

Auch Sie und ich entwickeln im Laufe unseres Lebens eine Art innere Landkarte, mit der wir uns durch unser Leben navigieren. Seit wir begannen zu denken (und wahrscheinlich bereits vorher) werden Erfahrungen, Ereignisse, Eindrücke, Werte, Bewusstes und Unbewusstes auf dieser Karte abgespeichert. Auch die sich daraus entwickelten Glaubenssätze und dazu gehörigen Gefühle sind Teile dieser Lebens-Landkarte. Wenn ein neues Ereignis eintritt, gleichen wir dies unbewusst sofort mit der uns bekannten Karte ab, orientieren uns an ihr, ziehen Rückschlüsse. Diese Landkarte ist Grundlage unseres Handelns und der Fähigkeit, Probleme zu lösen und Ziele zu erreichen.

Wenn wir im Leben „feststecken", ist es hilfreich, die persönliche Landkarte auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen, um danach wieder „in Fahrt" zu kommen. Verhindert ein alter Glaubenssatz von „Das macht man nicht!" oder „Das habe ich noch nie gekonnt!", mich in nicht vertrautes Gebiet zu wagen und eine neue Erfahrung über mich selbst zu machen?
Bis vor einigen Jahren war ich überzeugt, dass ich mit Technik nichts, aber auch gar nichts anfangen konnte. War doch früher, alles was damit zu tun hatte, erst Aufgabe meines Vaters, später meines Partners. Aber ganz ehrlich: Hatte ich mir jemals wirklich die Zeit genommen, mich mit einem technischen Gerät näher zu befassen? (Von dem elterlich übernommenen Glaubenssatz „Das ist Männersache!" einmal ganz abgesehen.) Nein! Stattdessen bestätigte ich mich immer wieder in meiner gefassten Überzeugung, technisch völlig ungeschickt zu sein und Gebrauchsanweisungen sowieso nicht zu verstehen. Ich bin quasi ständig mit meiner alten Karte gefahren, statt sie mit einer hinzu kommenden Erfahrung über mich selbst zu erneuern.

Je offener und neugieriger wir uns dem Leben stellen, desto größer die Bereitschaft, innere Einstellungen regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Statt nur in dem uns vertrauten Umfeld herum zu irren und zu verzweifeln, weil wir nicht voran kommen, ermöglichen wir uns, neue Ziele, interessante Wege und Lösungen dahin zu entdecken. Dort, wo vorher noch Angst war, Neuland zu betreten, wird dieses Neuland plötzlich zur tollen Entdeckung der großen Vielfalt in uns selbst - zum Abenteuer Leben. In dem Wissen, dass wir mit einer recht aktuellen Ausgabe unserer Landkarte unterwegs sind, fühlen wir uns gut aus-gerüstet und bewegen uns sicherer auch auf unbekanntem (Lebens-)Terrain. Gute Reise!

magz-Magazin März/April 2013
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Mut tut gut!
Nicht selten sitzen mir in meiner Praxis Menschen gegenüber, die wünschten sich, so mutig zu sein wie die Nachbarin, der Freund, der Kollege, die Schwester. „Die macht dieses ganz leicht!" oder „Jenes fällt ihm überhaupt nicht schwer!" sind mögliche Sätze. Wie gerne würden wir mit Leichtigkeit durch Angst auslösende Situationen gehen. Gelassen oder „cool" bleiben statt die aufkommenden Gefühle, die unangenehm, bedrohlich, manchmal gar existenziell erscheinen, zu spüren.

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst; Angst ist Voraussetzung für Mut. Mut, der aufzubringen ist, nicht nur, um das Problem im Umfeld zu lösen, sondern vielmehr um die persönlichen Grenzen wahr zu nehmen, sie zu erweitern und darüber hinaus Erfahrungen insbesondere mit sich selbst zu machen. Erst durch die Überwindung eigener Ängste und Befürchtungen lernen wir unsere persönlichen Stärken, unsere Qualitäten und damit wieder ein Stück mehr von uns selbst kennen. Jedoch nicht nur durch unseren Umgang mit schwierigen Situationen, sondern erst in der Begegnung mit den zugehörigen unangenehmen Gefühlen bekommen wir ein Verständnis für uns selbst.

Unangenehme Gefühle werden vielfach durch äußere Situationen ausgelöst. Etwa weil eine Kollegin oder der Partner sich auf eine Weise verhalten, dass wir darunter leiden. Ein anderes Mal ist uns völlig unverständlich, aus welchen Gründen wir mit Gefühlen von Angst, Trauer oder Einsamkeit auf dem heimischen Sofa sitzen, wobei rundum die Welt im Großen und Ganzen doch in Ordnung ist. Unsere Fragen sind: Warum verhält sich die andere Person oder ist das Leben gerade derart, dass ich mich so schlecht fühlen muss? Oder wir fragen nach dem Warum für unsere, wie wir meinen, wieder einmal unbegründet auftretenden unangenehmen Empfindungen. Eines haben alle „Warum"-Situationen gemeinsam: Es wurden Gefühle in uns aus-gelöst. Es sind unsere Gefühle. Solange wir uns freuen, fragen wir nie nach dem „Warum". Erst wenn die Gefühle vermeintlich „schlecht" sind, machen wir uns auf die Suche nach den Gründen. Wenn diese im Außen liegen, umso besser und einfacher für uns, weil damit auch die Lösung vermeintlich im Außen liegen muss. Dennoch mag das Außen vielleicht Auslöser, kaum aber wirklich Ursache für das Auftreten eigener Gefühle sein. Erst durch Anerkennen, dass jedes Gefühl, welches durch das Außen ausgelöst wurde, ein Teil des eigenen Ichs ist, gelingt uns ein sehr wichtiger Kontakt mit uns selbst.

Für diesen Kontakt mit dem tiefen Inneren braucht es Mut. Und manchmal Menschen an unserer Seite, die den Gefühlen von Angst oder Trauer Stand halten. Menschen, die bleiben, ohne den Versuch, etwas von dem weg machen zu wollen, das uns gerade an intensivem Fühlen schüttelt. Vielleicht wird dann zudem zu einer neuen Erfahrung, dass es Menschen gibt, die nicht gehen, sondern in unserer Nähe und in der Zuwendung bleiben.
Neu wird dann vielleicht auch sein, dass wir uns selbst und diesem tiefen Gefühl zuwenden ohne den Versuch, uns durch Ausgehen, Fernsehen/ PC, durch Konsumieren von Schokolade, Alkohol und Zigaretten oder das Stürzen in Beschäftigung Ablenkung zu verschaffen. Genau hier beginnen wir uns selbst wahrhaftig zu begegnen. Erst wenn wir bereit sind, alle Facetten unserer Gefühlswelt mutig wahr zu nehmen und als einen wichtigen Teil unserer Innenwelt anzunehmen, zeigt sich, dass sich unsere inneren - und ins Außen projizierten - „Gespenster", einmal wirklich angesehen und gefühlt, auflösen können.

Wir sind also nicht mutig, wenn wir uns unbeeindruckt unangenehmen Situationen entgegenstellen bzw. diese ganz locker meistern, sondern vielmehr, wenn wir es wagen uns selbst zu begegnen. Dies hat nicht nur eine Auswirkung auf unsere Empfindungen, sondern auch auf das eigene Verhalten, unser Erleben des Außen und unser Umfeld. Nur Mut!!

magz-magazin, Jan./ Febr. 2013
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Moment mal… es ist Weihnachten!!
Die Feiertage zum Ende des Jahres machen deutlich, wie sehr Vergangenheit prägt. Erinnerungen an das Besondere der Weihnachtsfeiertage. Keksduft im Haus. Gemütliche Runden beim Essen. Spaziergänge im knirschenden Schnee oder Gottesdienstbesuche mit dem Singen weihnachtlicher Lieder, die der Bescherung vorausgingen; die kindliche Freude dieser irgendwie spannenden Tage, das Beisammensein mit Familie und Freunden.

Aus den Sinneswahrnehmungen unserer Kindertage haben sich hohe Anforderungen an die Feiertage entwickelt; der Kurs der Verpflichtungen steigt steil nach oben. Die Wunschlisten der Kinder sind lang; die Geschäfte mehrere Tage hintereinander geschlossen; und gerade zu Weihnachten soll doch alles da sein. Die Aneinanderreihung freier Tage bietet sich an, entfernt wohnende Verwandte oder Freunde einzuladen oder zu besuchen. Das korreliert mit den eigenen Bedürfnissen, nachdem ein Jahr lang Job und Krisen bewältigt, Kindern und Partner u.v.m. Aufmerksamkeit geschenkt, Schularbeiten gemacht wurden; wo die Gedanken kaum zur Ruhe kamen, stets etwas zu bedenken und zu regeln war.
Wenn sich gleichzeitig derart viele Vorstellungen und Bedürfnisse in der (Vor-) Weihnachtszeit gegenüber stehen, dann erscheint es kaum verwunderlich, dass es vielfach unter den Christbäumen „kracht".
Dieses Phänomen zeigt sich übrigens nicht nur zu Weihnachten. Zusammenhängende Feiertage wie die Urlaubszeit sind prädestiniert für enttäuschte Wünsche und Erwartungen.

Gleichzeitig richten wir mit guten Vorsätzen unsere Vorstellungen von einem ausgewogenen Alltagsleben, der sogenannten Life balance, zu Silvester und Neujahr Richtung Zukunft aus: Weniger Stress, gesünder ernähren, mehr Sport etc.

Beim genaueren Betrachten fällt auf: Einen großen Teil unseres Lebens kreieren wir aus dem Versuch der Wiederherstellung „guter" (aber auch Vermeidung „schlechter") Erinnerungen. Oder arbeiten auf den nächsten, den vermeintlich besseren Moment hin. Endlich ist Feierabend, endlich Wochenende, Warten auf den nächsten Urlaub, Hinarbeiten auf den Beginn der Rente. Es wird stets irgendwohin gelebt; selten in dem Moment, der gerade ist. Das gelingt bestenfalls dann, wenn ein Moment als besonders intensiv, also mit besonders positiven oder auch unangenehmen Gefühlen, empfunden wird.
Ein anderes Wort für Moment ist „Augenblick". In diesem Wort steckt viel von dem, was eigentlich fehlt, um jeden Moment zu genießen: Der Blick mit den Augen bewusst auf das, was gerade ist. Wahrnehmen, was jetzt ist. Mit allen Sinnen. Hier an diesem Ort in diesem Moment. Sie mögen nun sagen: "Hierfür fehlt mir die Zeit! Es muss alles schnell gehen!" Wenn Sie einen Moment inne halten, um z. B. bemerken: „Ich bewege mich sehr schnell!" und gleichzeitig festzustellen „Mir ist das zu schnell!", sind Sie schon bewusst. Sie laufen nicht mehr nur von einem Moment zum nächsten, sondern sind gewahr. Ein bedeutsames Innehalten, um der Tretmühle unserer schnellen Gesellschaft zu entkommen. Ein erster und wesentlicher Schritt in die ersehnte Entschleunigung. Sie beginnen zu erleben, wie jeder einzelne Augenblick ist. Sie erschaffen Raum, um ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und umzusetzen. Jetzt und nicht erst, wenn das Zuviel Sie übermannt. Der wunder-volle Moment ist jetzt. Niemals in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit. Damit wird jeder (Arbeits-) Tag zu einer Vielzahl einzelner Momente, die Sie gestalten. Genauso wie am Wochenende, zu Weihnachten und im Urlaub.
Damit wird bereits das Vorbereiten der Feiertage zum Event. Und wenn etwas Freude macht, stehen Sie wahrscheinlich auch nicht mehr so allein vor allem. Denn Freude ist ansteckend; der schließt sich jeder gerne an.

magz-Magazin Nov./ Dez.2012
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Von Hypnose, Trance und Kontakt mit dem Unterbewussten
Während ein Teil in Ihnen eventuell noch überzeugt ist, dass Hypnose Menschen beeinflusst und diese Methode ablehnt, ist ein anderer Teil in Ihnen vielleicht auch ein wenig neugierig, die wirksamen Aspekte der Hypnose kennen zu lernen.

Dieser erste Satz enthält bereits hypnotische Muster. Die Sprache der Hypnose ist offen und lässt viel Raum für Interpretationen des Hörenden sowie für individuelle Möglichkeiten zu entspannen, innere Bilderwelten zu gestalten, um auf diese Weise den ureigenen Weg für die Lösung eines persönlichen Problems zu erarbeiten. Dieses Verfahren kann eingesetzt werden, wenn sich ein gewünschtes Ziel nicht durch bewussten Willen erreichen lässt, z. B. bei Rauchentwöhnung oder Prüfungsangst.

Die Hypnose ist ein Verfahren, mit der die so genannte Trance erzeugt werden kann. Diese kann sich z. B. in einer tiefen Entspannung zeigen. Während der bewertende und oftmals grübelnde Verstand in den Hintergrund tritt, bleibt der Klient jederzeit in der Lage seinem freien Willen zu folgen.
Jeder von uns gerät hin und wieder in einen Zustand von Trance: Vor dem Kaminfeuer oder beim Blick auf die Wellenbewegungen des Meeres. Auch während Autofahrten, wenn Sie nach einer längeren Etappe feststellen: „Ich erinnere mich kaum an die letzten 100 km." Sie haben einen Teil der bewussten Wahrnehmung „abgeschaltet; Sie erinnern sich nicht bewusst, dass Sie gesteuert, geschaltet, Verkehrsschilder sowie andere Verkehrsteilnehmer wahrgenommen haben. Dennoch hätten Sie jederzeit auf eine unvorhergesehene Situation angemessen und sicher reagieren können.

In einer Trance sind Menschen empfänglicher für Suggestionen; d. h., im positiven wie im negativen Sinne beeinflusst zu werden. Aber auch dafür, aus dem Unterbewusstsein Bilder zu empfangen, die unterstützen, ein bestehendes Problem zu lösen bzw. Wünsche wie Gewichtsreduktion oder nach mehr Selbstsicherheit umzusetzen. Oftmals ist während einer Hypnose-Sitzung die Bedeutung der auftauchenden Bilder nicht klar. Aber das wissen wir nach einem intensiven Traum vielfach auch nicht. Und dennoch wirken diese Bilder auf der Seele-Körper-Geist-Ebene.

Politik wie Werbung bedienen sich hypnotischer Muster. Nehmen Sie doch hin und wieder unter die Lupe, wie geschickt die Werbebranche voneinander eigentlich unabhängige Reize miteinander verbindet: Sonst kann es Ihnen später bei der Fahrt ins Blaue passieren, dass Vogelgezwitscher und die grüne Landschaft bei Ihnen Bierdurst auslösen. Oder Sie fragen sich bei der Aussage „für das Beste im Mann": Was hat ein Rasierer mit dem Besten IN einem Mann zu tun? Sie beschäftigen sich ungewollt mit dem Produkt und verankern es gleichzeitig in Gehirn und Unterbewussten; werden damit zum „guten Kunden". Die Floskel „noch gründlicher, noch sauberer" erweckt den Eindruck besser zu sein und lässt dabei eines völlig offen: gründlicher und sauberer als… ja als was denn eigentlich?!

Wird Ihnen vielleicht gerade Folgendes bewusst: In unserem Alltag haben Sie mehr Begegnungen mit Hypnose, Trance und dem Unterbewussten als Sie bis eben noch vermutet hätten.

magz-Magazin Juli/August 2012
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Bewusstsein vs. Unbewusstem


Manchmal werden Menschen von unangenehmen Gefühlen förmlich überrollt oder überflutet. Diese Gefühle können Erstarrung und Handlungsunfähigkeit oder auch Panik auslösen. Was verursacht diese uns im Alltag so häufig behindernden Reaktionen?


Unser Gehirn gleicht einem Computer: Es reaktiviert das, was ihm eingegeben wurde. Eine erlebte Situation und das dabei empfundene Gefühl wurden miteinander verknüpft. Mit angenehmen Gefühlen lassen wir uns das gerne gefallen. So wird uns bei der Erinnerung an eine Begebenheit während des letzten Urlaubs vielleicht ganz leicht und freudig und versetzt uns ein Lächeln auf die Lippen.
Bei unangenehmen Erlebnissen mit den damit verbundenen Gefühlen von Angst, Hilflosigkeit oder existentieller Bedrohung sieht das ganz anders aus. Da können selbst ähnliche Situationen - oder nur der Gedanke daran - bereits zum Auslöser jener Empfindungen von einst werden. Ich versuche, Ihnen solch eine Verknüpfung von Erleben und Gefühl anhand eines Beispiels zu verdeutlichen:
Ein Kind ist allein unterwegs und begegnet einem größeren Hund. Dieser bellt es an und versucht sogar, an ihm hoch zu springen. Auch wenn dieser Hund vielleicht völlig harmlos ist, für das Kind ist diese Situation nicht einschätzbar. Das vorhandene Gefühl in diesem Moment sind vermutlich starke Angst und Hilflosigkeit, weil kein schützender Erwachsener in der Nähe ist. Und so wird die Situation nicht nur als bildhafte Erinnerung im Bewusstsein, sondern auch als Gefühl im Unterbewusstsein abgespeichert. Das Bellen des Hundes, sein Hochspringen ist zu einer Verknüpfung von Bild und Erleben geworden, das auch beim später Erwachsenen weiterhin mit gefühlter Gefahr für Leib und Leben verbunden sein kann. Gleichgültig, ob diese wahr genommene Lebensgefahr objektiv real ist - sie wird als real erlebt. Während der Verstand des Erwachsenen versucht „vernünftig" zu agieren, steigen aus dem nicht bewussten Teil jene Empfindungen von einst auf: starke Angst und Hilflosigkeit sowie das Bedürfnis nach Schutz und Unterstützung.


Mit Hilfe unterschiedlicher Methoden lassen sich solch hinderliche Verknüpfungen von einst durch das intensive Gestalten eines neuen inneren Erlebens korrigieren. Ein unterstützendes und positives Erleben „deaktiviert" das alte, bedrohliche Bild. Der Computer „Gehirn" wird neu programmiert. Der Verstand kann hilfreicher Weise wieder überprüfen, wie ein Hund wirkt; ob er harmlos ist oder er besser nicht gestreichelt sollte. Die unkontrollierbare Angst, das Gefühl von Bedrohung oder Handlungsunfähigkeit haben sich verändert.


Das Verknüpfen von Bildern und Gefühlen findet sich vielfach in unserem Alltag. Im nächsten magz stelle ich Ihnen vor, wann und auf welche Art und Weise und mit welchen möglichen Folgen. Und was das Ganze mit Hypnose zu tun hat.


magz-Magazin Mai/Juni 2012



Vom Wünschen und der Verantwortung
Dor weer eenmol eens een Fischer un sine Fru, de waanden tosamen in'n Pißputt… *
Die meisten von uns kennen wohl dieses Märchen aus Kindheitstagen, in dem ein Fischer auf Weisung seiner Frau immer wieder zu dem von ihm zuvor gefangenen und bedingungslos frei gelassenen Fisch rennt, um diesem im Gegenzug für das geschenkte Leben die Erfüllung ihrer Wünsche abzuverlangen. Am Ende wurde sich derart anmaßend und viel gewünscht, dass beide wieder in ihrer ursprünglichen Ärmlichkeit hausen mussten.
Was ist die Moral von der Geschicht? Frauen haben zu hohe Ansprüche? Mäkeln zuviel? Sind immer nur unzufrieden? Wollen stets mehr als sie haben? Und die daraus resultierende Strafe ist, dass am Ende alles Errungene wieder verschwinden wird? Und der bescheidene, bedauernswerte Mann fügt sich dem Drängen seiner unersättlichen Frau?

Genau so habe ich Zeit meines Lebens das Märchen der Gebrüder Grimm verstanden. Meine Schlussfolgerung daraus war: Sei bescheiden. Stelle keine zu hohen Erwartungen. Wünsche sollten angemessen oder besser noch bescheiden sein.

Vor einiger Zeit kam ich wieder einmal in Kontakt mit dem „Fischer un sin Fru". Es überraschte mich, welche Glaubenssätze ich daraus im Laufe meines Lebens entwickelt hatte. Und welche Folgen dieses Denken auf meine persönlichen Vorstellungen vom Leben, auf meine Wünsche und Handlungen bewirkt hatte.

Wesentliche Aussagen waren von mir völlig außer Acht gelassen: 1. Der Fischer fängt den Fisch und schenkt ihm ohne jeden Vorbehalt das Leben. Er geht ungeachtet seiner eigenen Vorstellungen zum Fisch, weil seine Frau dies fordert. 2. Die Frau sieht die Möglichkeit zur Erfüllung ihrer Wünsche außerhalb ihrer selbst und überträgt diese auf den Mann und den Fisch, ohne selbst tätig zu werden.

Die Wünsche selbst sind nicht das Desaster dieser Erzählung. Wir dürfen wünschen! Wir dürfen träumen! Wir dürfen hoch hinaus mit unseren Zielen und alles erreichen!
Im „Fischer un sin Fru" wurde die Verantwortung für das eigene Wollen und Handeln jeweils jemand anderem übertragen. Wesentlich ist, jeder von uns hat eine Wahl. Welche Entscheidung will ich treffen? Was ist mir in meinem Leben wichtig? Welche Bedürfnisse sind mir wesentlich? Wofür will ich eintreten? Wo will ich tun, was zu tun und/oder lassen, was zu lassen ist? Und auch allein die Verantwortung dafür tragen: Für meine Wahl und inwieweit es mir gelingt, meine Wünsche zu realisieren.

Denken Sie also gerne ein bisschen größer. Erwägen Sie, sich nie erlaubte oder zugetraute Ziele zu stecken. Und haben Sie Freude daran, selbst den ersten Schritt - und sei er noch so klein - Richtung Umsetzung zu machen.

*Anmerkung: Alle diejenigen, die das Märchen nicht kennen, aber interessiert sind, finden die Fortsetzung in hochdeutsch unter wikipedia.org/wiki/Vom_Fischer_und_seiner_Frau

magz-Magazin März/April 2012

Im Kontakt mit dem „inneren Kind"
So wie wir als Kinder behandelt werden, behandeln wir uns während unseres ganzen restlichen Lebens.
aus „Am Anfang war Erziehung" von Alice Miller

Wie gehen Sie mit sich um? Liebevoll, gütig, heiter, zugewandt? Gewähren Sie sich Zeit für anstehende Aufgaben statt sich unter Druck zu setzen? Haben Sie Spaß an Albernheiten und Dingen ohne erkennbaren Sinn? Nehmen Sie sich mit allen Ihren Gefühlen wahr?
Viele von uns sind so erzogen worden, dass unser Handeln Sinn haben und vor allem auch für unser Umfeld nachvollziehbar und verständlich sein muss. Mit der Folge, dass wir sehr darauf bedacht sind, was für andere Sinn macht, ohne zu berücksichtigen, dass wir vielleicht einen eigenen Sinn für die Dinge in und um uns herum haben. Eigen-sinnig zu sein, hat in Kinderjahren eine negative Bewertung bekommen.
Auch Gefühle wurden vielfach ganz in den Hintergrund gedrängt. Selbst wer als Kind das Glück hatte, durch eine Bezugsperson getröstet zu werden, hörte bald: „Nun ist ja wieder gut!" oder „Das war doch gar nicht so schlimm!". Der Bezugsperson war Ihr Gefühl von Trauer, Schmerz oder Angst dann unangenehm, lästig oder „es" passte gerade gar nicht. Wer überprüfte genauer, ob es sich in jenem Moment für Sie wirklich wieder gut anfühlte? Eventuell war ein Erlebnis objektiv gesehen nicht schlimm, aber für Sie ganz persönlich mit starker Angst, Verunsicherung oder Im-Stich-gelassen-fühlen verbunden. Solche Ereignisse werden auch als offene Gestalten bezeichnet. Ein Gefühl ist noch nicht wieder „rund", nicht wirklich abgeschlossen. Etwas in uns hofft weiterhin, jene Momente mögen endlich gut ausgehen.
Das „innere Kind" in uns ist mit seinem unterdrückten Gefühl und weg gedrückten Erleben noch präsent. Manche Gefühle, die heute in uns entstehen, sind uns heute ebenfalls unangenehm, lästig oder passen gerade gar nicht in den Alltag. Und statt sich endlich sich selbst zuzuwenden, beschuldigen wir uns vielleicht auch noch für diese Wahrnehmungen in unserem Innern. Wir sind wahre Künstler darin, Strategien zu entwickeln, um diesen Gefühlen auszuweichen, indem wir viel und hektisch arbeiten, gar bis zum Burnout, sehr viel reden, mehr essen als uns gut tut und wir wirklich wollen, nicht mit uns selbst allein zu Hause sein können und stattdessen ständig unterwegs sind, u. v. v. m..

Sie sind jetzt die/der Erwachsene, die/der sich diesem Wesen, diesem lebendigen Teil in Ihnen zuwenden kann. Wenn Sie ein Gefühl wahrnehmen, das Sie nicht einordnen können, weil es keinen aktuellen Bezug hat, vielleicht sogar immer wieder unverhofft auftaucht und Sie in Ihrem Alltag, Ihren Beziehungen, Tätigkeiten und Ihrer Lebensfreude beeinträchtigt, lohnt es sich die Zeit zu nehmen, die Ihnen seinerzeit verwehrt wurde. Spüren, horchen und/oder schauen Sie in sich hinein und nehmen Sie wahr, was sich zeigen will. Gehen und bleiben Sie eine Weile in Kontakt mit sich und diesem Gefühl. Bemuttern und bevatern Sie sich selbst. Immer wieder! In dieser Sanftheit liegt die Stärke der Heilung. Geben Sie sich die Erlaubnis, sich zuverlässig dem jeweils auftretenden inneren Erleben aufmerksam zuzuwenden. Auf diese Weise werden diese unangenehmen und belastenden Gefühle des „inneren Kindes" von Ihrem erwachsenen Ich gesehen, so wie Sie es sich damals von Ihrer Bezugsperson gewünscht hätten. Mit ausreichend Aufmerksamkeit brauchen diese Gefühle sich nicht mehr in den Vordergrund Ihres Lebens zu drängen, sondern dürfen sich zurückziehen und irgendwann ganz gehen. Was sich entwickelt sind Leichtigkeit, Gesundheit und Lebensfreude. Und mancher Un-Sinn

magz-Magazin Jan./Febr. 2012

Auseinandersetzung - mit wem?
Viele Menschen kommen zu mir in die Praxis, weil sie unter den Auseinandersetzungen mit dem Partner, dem Nachbarn, am Arbeitsplatz, den Eltern oder Geschwistern oder in anderen persönlichen Bereichen ihres täglichen Lebens leiden. Die Klienten berichten davon, dass eigentlich stets die gleichen oder ähnliche Themen dafür sorgen, dass es zum Streit kommt. Sie haben den Eindruck, alles ausprobiert zu haben und nichts gelingt, um die Lage zu verändern.
Viele Lösungen für Auseinandersetzungen scheitern daran, dass wir die sachliche Ebene (wie die „offene Zahnpastatube") verlassen und - ohne es zu merken - auf die emotionale Ebene wechseln. Wir re-agieren nur noch. In ganz vielfältiger Weise: Indem wir laut werden und manchmal auch mit Türen schlagen. Mit Worten und Taten verletzend werden. Auch mit Resignation und Übergehen zur Tagesordnung oder Rückzug.
Diese Möglichkeiten, in einer schwierigen Situation zu reagieren sind Formen der Abwehr. Der Abwehrmechanismus hat für jeden von uns eine wichtige Schutzfunktion: Er hält die unangenehmen Gefühle aus dem Bewusstsein fern. Das Wissen hierum schafft gleichzeitig Wege in die Lösung. Unser Blick ist im Konflikt wesentlich auf unser Gegenüber gerichtet: „Wenn er doch nicht immer…, dann…!" Oder: „Sie bräuchte doch nur…, dann…!" Wir haben viele gute Gründe, warum es uns in einer Situation gerade schlecht geht. Zwei Dinge sind jedoch wesentlich: Es geht Ihnen „schlecht", aber haben Sie schon mal genau dieses „schlecht" definiert? Und: Diese Gründe liegen alle im Außen unserer selbst. Diese zwei Faktoren lassen sich gemeinsam ganz neu betrachten. Haben Sie schon einmal versucht zu sagen: „Ich schaue, höre und fühle jetzt mal in mich hinein und nehme mal wahr, was da gerade mit mir passiert."? Vielleicht käme dann eine der folgenden Wahrnehmungen in Ihr Bewusstsein? „Ich habe Angst; und ich würde gerne mutiger auftreten.". „Ich fühle mich allein; ich benötige gerade die Stärke meines Partners (mit dem ich mich gerade streite)." „Ich sehe mich gerade als das Kind, das ich mal war und das macht mich gerade klein und hilflos. „ „Das Gefühl von Trauer, das ich jetzt habe, ist groß und ich weiß gerade gar nicht, wie ich damit umgehen soll." Dies sind Gefühle, die in Ihnen sind und etwas über Sie selbst aussagen. Sie zeigen, es gibt noch etwas in Ihnen, das angeschaut sein will. Etwas, das nicht zu dem/der Erwachsenen gehört, sondern zu einem verletzten, traurigen, unruhigen, einsamen und/oder ängstlichen Kind. Unser Gegenüber zeigt uns, dass es noch etwas zu tun gibt. In uns. Mit uns.

Auf diese Weise werden Auseinandersetzungen zum Hilfsmittel, indem für Sie vielleicht deutlich wird, dass es wichtig ist, endlich eine wirklich klare Grenze zu ziehen, dabei zu bleiben und ggf. auch Konsequenzen zu akzeptieren statt zu resignieren. Vielleicht wäre es gut, die eigene Stärke mehr zu entwickeln und es bedarf daher der Überprüfung, was Ihnen wirklich wichtig ist und wofür Sie eintreten wollen. Vielleicht könnte es hilfreich sein, sich weicher und verletzbar zu zeigen, weil die Angst, sich klein und allein zu fühlen, sich ins Gegenteil verkehrt und Sie stattdessen hart und unnachgiebig wirken lässt. Vielleicht ist es erforderlich für Sie, in die eigene Ruhe zu kommen und können damit Ihrem Partner oder Ihrer Kollegin aufmerksamer zuhören und besser erfassen, was er/sie meint. In Auseinandersetzungen liegen zahlreiche Möglichkeiten sich selbst gut kennen zu lernen und zur Kreativität, neu mit sich und anderen umzugehen. Viel Spaß dabei!

Im nächsten Heft geht es weiter um Gefühle, die im Hintergrund sind, sich aber im Vordergrund zeigen, und den Umgang damit.

magz-Magazin Nov./Dez. 2011

Was ist noch mal Coaching?
Ich werde häufiger gefragt, was unterscheidet die Psychotherapie vom Coaching?
Die Therapie wird im Falle einer seelischen Erkrankung vom Arzt verordnet und - so Sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind - von einem kassenärztlich zugelassenen medizinischen bzw. psychologischen Psychotherapeuten (PT) durchgeführt. Der medizinische PT hat ein Studium als Arzt (oftmals Psychiater/Neurologe), der psychologische PT ein Studium der Psychologie. Beide bilden sich zusätzlich weiter im Bereich der Psychoanalyse, systemischer Familien- oder Verhaltenstherapie. Andere Therapieformen sind von der Krankenkasse nicht zugelassen.
In der schulmedizinischen Therapie geht man von einem Krankheitsbild aus. Das bedeutet, es wird nach der Ursache gesucht und/oder es werden die Symptome behandelt. Es finden meist in regelmäßigen Abständen 20 Psychotherapiesitzungen statt, die ggf. auf Antrag aufgestockt werden.
Auf Wunsch oder wenn eine Therapie ärztlicherseits nicht verordnet wird, kann die Behandlung durch einen Heilpraktiker bzw. Heilpraktiker Psychotherapie erfolgen. Hier werden alternative Verfahren wie Gestalt-, Körper-, Hypnosetherapie u. v. a. angewandt. Es handelt sich um durchaus sehr wirksame Kurzzeittherapien, die jedoch durch den Klienten selbst gezahlt oder die private Krankenkasse bzw. eine Zusatzversicherung übernommen werden können. Der Rhythmus der Termine wird mit dem Klienten nach seinen Bedürfnissen abgestimmt.
Auch wird hier eher vom Klienten als vom Patienten gesprochen. Der Klient wird nicht unbedingt als krank im herkömmlichen Sinne angesehen. Vielmehr werden die Symptome als nützliche Sprache der Seele betrachtet, die es zu entschlüsseln gilt; so dass diese nicht mehr erforderlich sind und sich lösen können. Der verantwortungsvolle Heilpraktiker für Psychotherapie arbeitet bei einer ärztlich gestellten Diagnose mit dem behandelnden Arzt zusammen bzw. fordert den Klienten auf, seine Symptome vorab medizinisch abklären und ggf. behandeln zu lassen.
Coaching findet dann Anwendung, wenn es nicht um körperliche oder psychische Erkrankungen geht, sondern belastende persönliche Umstände, z. B. im Bereich Partnerschaft, Arbeitsplatz, Kindererziehung u. v. m. verändert werden sollen. Ein Coach arbeitet im Wesentlichen ressourcen- sowie zielorientiert. Unter Ressource versteht man die umfangreichen Möglichkeiten und Fähigkeiten eines Menschen, Schwierigkeiten zu bewältigen. Der Coach unterstützt erste Schritte in Richtung des gewünschten Ziels. Gleichzeitig überprüft er, ob und wie sich diese Schritte im Umfeld des Klienten verwirklichen lassen. Es werden Denk- und Verhaltensweisen erarbeitet, die das Erreichen des angestrebten Zieles fördern.
Gleich für welche Form der Hilfe Sie sich entscheiden: Sie sind die „Fachfrau"/ der „Fachmann" Ihres Lebens. Sowohl Therapeut als auch Coach sind begleitend tätig. Er stellt Wissen und Möglichkeiten in Ihren Dienst, um Sie auf Ihrem Weg hin zu Gesundheit und Ihrem persönlichen Potential zu unterstützen.

magz-Magazin Sept./Okt. 2011



Wenn Geschwister streiten (Teil 1)
Nervtötend? Eine Herausforderung für Eltern allemal: Wenn Geschwister streiten, sehen Mutter und Vater oftmals rot. Vielen fällt es nicht ganz leicht, die verbalen Auseinandersetzungen ihrer Sprösslinge zu ertragen. Als erstes stellt sich die Frage: Wie geht es mir als Elternteil, wenn ich mit der Auseinandersetzung meiner Kinder konfrontiert werde? Was genau bringt mich dazu, dass ich die Situation schlichten möchte? Muss ich Einfluss nehmen? Und wenn ja, ab wann?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welch wesentliche Rolle die persönliche Verfassung spielt. Wer selbst gelassen in den Tag schaut, nimmt auch das mehr oder weniger drastische Geplänkel unter Kindern gelassen hin. Trennen Sie genau, ob die Streitigkeiten wirklich gravierend sind oder Sie als Elternteil nach einem langen Tag oder aufgrund reduzierter Tagesform gerne gerade mal nichts mehr hören und sehen wollen. Im „Rundumschlag" wird meist erfolglos versucht, für die gewünschte Stille zu sorgen.

Finden Sie als Elternteil ob der Reibereien ein Gleichgewicht zwischen Ruhe bewahren und klarem, entschlossenen Auftreten. So können Ihre Kinder auch durch Vorbild lernen, wie Auseinandersetzungen im positiven Sinne stattfinden können. Wie sollen sich Ihre Kinder disziplinieren, wenn Sie selbst um Disziplin ringen?

Für massivere Auseinandersetzungen gilt: Versuchen Sie nicht sofort eine Klärung der Streitsituation. Erhitzte Gemüter haben nicht den Hang, Einsicht oder gar Verständnis für die Position der Gegenpartei zu entwickeln.

Damit kommen wir - insbesondere bei älteren Kindern - zu zehn hilfreichen Spielregeln, die es erleichtern, strittige Situationen zu klären. 1. Warten Sie gerne zwei Stunden ab, bevor sich 2. alle Beteiligten zusammensetzen, um 3. verbal und 4. jeder für sich Stellung zu beziehen. 5. Es wird nur in der Ich-Form gesprochen. 6. Keine Schuldzuweisungen. 7. Keine Forderungen. 8. Der andere darf dann für einen Moment nur zuhören. Stellen Sie die Uhr und verabreden Sie eine Redezeit von viell. 5 - 10 min. (je nach Streit). Jeder bekommt die gleiche Zeit zum Reden. 9. Jeder hört die gleiche Zeit aufmerksam hin. 10. Abschließende, von jedem zu beantwortende Fragen könnten lauten: Wie möchtest du deiner Schwester/deinem Bruder entgegen kommen? Wie kannst du dich bei der nächsten ähnlichen Situation verhalten? Nutzen Sie eigene Erfahrungen und Ihre Kreativität, um angemessenes Konfliktbewältigung zu vermitteln. Dienen Sie als Mediator, nicht als Richter oder Anwalt.

Vielleicht hilft es Ihnen zu wissen, dass Streitereien unter Geschwistern - wie Kinderkrankheiten - wesentlich für die persönliche Entwicklung sind. Dinge auszusprechen, auszuhalten, eigene Standpunkte zu entwickeln, sich zu positionieren und auch Stand zu halten... Wesentliche Voraussetzungen, um sich seiner Selbst bewusst zu werden und für sich selbst im Leben einzutreten.

Über den Sinn von Auseinandersetzungen und wie es sich leichter damit umgehen lässt, lesen Sie in der nächsten Ausgabe des magz-Magazin.

magz-Magazin Mai/Juni 2011



Wenn Geschwister streiten (Teil 2)
Die Ursachen für geschwisterliche Streitereien sind umfangreich. Möglichkeiten, dieser Herr zu werden, ebenfalls.

Eltern wie Lehrer lassen sich tendenziell leicht in die Auseinandersetzungen Ihrer Zöglinge mit einbeziehen. Viele meinen, Stellung nehmen und erfahren zu müssen, wer denn nun der Schuldige am Ausbruch der Zänkerei ist. Lassen Sie sich nicht verleiten, so zum Beteiligten des Streits zu werden. Aus der Neutralität heraus können Sie sich den Kontrahenten gegenüber deutlich besser positionieren.

Ein klares Einschreiten ist dann gefordert, wenn es nicht beim kindlichen Kräfte messen und Gerangel bleibt, sondern es zu Handgreiflichkeiten wie Schlägen oder Kneifen kommt und damit Verletzungen wahrscheinlich werden. Aber auch hier geht es nur um die Trennung der zwei „Kampfhähne", weniger um das Herausfinden eines Schuldigen.

Und nervt Sie z. B. der Streit um Spielzeug oder Fernsehprogramm? Sie dürfen gerne das Spielzeug einkassieren oder den Apparat ausmachen, ohne zu wissen, warum es nicht zur Einigung kam. So lernen Ihre Kinder am ehesten: Wenn die Auseinandersetzung zu heftig wird, hat es für alle Beteiligten Folgen. Das regt an, statt lautstark zu agieren, Problemlösungen zu erarbeiten. Freuen Sie sich an gelungenen Veränderungen und zeigen Sie dies auch. Lob dient als so genannter „positiver Verstärker" und ermutigt, erwünschtes Verhalten vermehrt zu zeigen.

Das Positive an allen, also auch geschwisterlichen Auseinandersetzungen: Dem Unmut und Ärger, der eigenen Meinung werden Ausdruck verliehen. Die Kehrseite wäre, die eigenen Bedürfnisse nicht kund zu tun, sondern hinunter zu schlucken. Aber aus den Augen ist nicht gleich aus der Seele. Alles braucht seine Form des Ausdrucks. Vorzugsweise auf direktem Wege. Ansonsten werden Frustration, Schmollen, Rückzug bis hin zum Bettnässen zum Ventil. Oder das Kind zeigt sich latent aggressiv, fernab des ursächlichen Anlasses. Wenn Kinder zum Beispielt Nägel kauen, werden nicht nach Außen gebrachte Aggressionen gegen die eigene Person gerichtet; Nägelbeißen ist eine Form der Selbstverletzung. Zudem werden im wahrsten Sinne des Wortes die Krallen entschärft.

Übrigens: ag-gredi bedeutet, etwas in Angriff zu nehmen, sich nähern; aggressio ist der erste Anlauf eines Redners. Aggression ist also nichts Schlimmes an sich, sondern Voraussetzung für Lebens- und Arterhaltung. Jeder Mensch verleiht sich selbst Ausdruck (und Selbstausdruck) durch den Schritt nach vorne. Der Schritt zurück wäre der in die Regression (ins kindliche Sein) oder gar Depression.

Beobachten Sie Ihre persönliche Streitkultur, Ihre eigene Konfliktfähigkeit. Betrachten Sie Ihre Kinder als Spiegel Ihrer selbst. Der Umgang mit den Streitigkeiten Ihrer Kinder dient der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, sich in Konfliktsituationen miteinander auseinander zu setzen.

magz-Magazin Juli/Aug. 2011

Alles Gute zum Schulbeginn
In vielen Familien wurde es Anfang September spannend: Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule wurde gemeistert. Die Aufregung vor der Veränderung wuchs nicht nur bei den Schul-Neulingen. Gerade wenn das erste, das älteste Kind in die Schule kam, wurde es auch spannend für die Eltern. Fühlt sich unser Kind in der Klassengemeinschaft und von den Lehrern angenommen? Findet es bald neue Freunde? Wie gelingt die Balance zwischen kindlicher Sorglosigkeit und wachsenden Pflichten? Wie gelingt mir als Mutter und/oder Vater die Gratwanderung zwischen Loslassen und Grenzen ziehen? Viele Fragen werden gerade dort auftreten, wo der ein oder andere Elternteil während seiner Schulzeit selbst Mangel erlebt hat. Unbemerkt machen wir unsere persönlichen Ängste und Bedürfnisse zu den Ängsten und Bedürfnissen unserer Kinder. Wenn es gelingt, uns dies vor Augen zu halten, schaffen wir Möglichkeiten, unseren Blick, von eigenem Ballast befreit, auf unser Kind zu richten und wahr zu nehmen, was es im aktuellen Moment wirklich für sich benötigt. Dann gelingt einerseits dort tätig zu werden, wo Unterstützung notwendig ist, und das Kind andererseits erste eigene Verantwortung übernehmen zu lassen. Das beinhaltet, aus Schwierigkeiten heraus die eigenen Möglich- und Fähigkeiten zu erkennen, Lösungen zu entwickeln, die Wahrnehmung zu stärken und daraus Kraft, das vor sich liegende Leben zu bewältigen, aufzubauen. Statt belastendem Druck und sich entwickelndem Widerstand entsteht entlastendes Miteinander für Eltern und Kind.

Wann immer im Laufe der Schulzeit Ihres Kindes Zweifel, Unsicherheiten und Ängste aufkommen, vertrauen Sie Ihrem Kind. Es trägt bereits alle guten Anlagen in sich, die entdeckt und gelebt werden wollen. Sie als Mutter und/oder Vater sind einer der Schlüssel dazu.

Schaufenster vom 26.08.09
Dreieck regional Sept. 2009

Begegnung mit den Ahnen
Kürzlich war ich zu einer Feier eingeladen. Ich traf dort einige Bekannte wieder, die ich lange nicht gesehen hatte. Es entstand ein Austausch über unsere mehr oder weniger jüngere Vergangenheit. So erzählte auch ich von meiner Arbeit und den Möglichkeiten meiner Coaching- und psychologischen Beratungspraxis. Als das Stichwort „Familienstellen" fiel, sah ich mich erstaunten Gesichtern gegenüber. „Was ist das denn?" waren die verwunderten Fragen. Jetzt war ich dran verwundert zu sein. Sollte das Familienstellen tatsächlich noch ein so unbekanntes Feld sein, in dem ich mich mittlerweile mit solch einer Selbstverständlichkeit bewege?
Die Zusammenhänge zwischen persönlichen Lebensproblemen, Krankheiten, Stimmungen und der Ursprungsfamilie auf der nicht-bewussten Ebene wurden bereits Mitte des 20. Jahrhundert durch Virginia Satir, Begründerin der Familientherapie, aufgedeckt. Es wurde deutlich, dass nicht nur Gene, Erziehung und Umwelt wirken, sondern dass es darüber hinaus etwas gibt, das einen starken Einfluss auf unser persönliches Leben hat. Die Geschichte unserer Vorfahren wirkt auf unsere Gesundheit, unsere Kontakte, unseren Erfolg, unsere Partnerschaft u. v. m..
Der insbesondere durch das Familienstellen bekannt gewordene Psychotherapeut und Theologe Bert Hellinger hat im Wirken dieser „Familien-Energien" klare Regelmäßigkeiten erkannt und veröffentlicht. Viele Aufsteller arbeiten heute mit diesen Gesetzen, nicht nur in Familien-, sondern auch in anderen Systemen wie z. B. Unternehmen, Schulen, Ländern u. a..

Eine konfliktreiche Situation oder eine Krankheit lassen sich vorzugsweise in Gruppen, aber durchaus auch in Einzelcoachings, aufstellen. Der Klient weist Personen stellvertretend für den Konflikt und/oder das Symptom sowie für sich selbst, ggf. auch für unterschiedliche Familienangehörige, einen Standort zu. Dadurch ergibt sich zum einen ein veränderter Blickwickel auf sein Problem. Zum anderen äußern die Stellvertreter Empfindungen. Daraus ergibt sich eine Bewegung, die am Ende eine Lösung und vor allem eine Entlastung für die Betroffenen bedeutet.
Kleine Veränderungen lassen sich relativ schnell wahrnehmen; z. B. reagieren Partner (obwohl nur einer beim Aufstellen war) plötzlich in neuer Weise auf einander. Aber gut Ding braucht Weile. Dann lassen sich auch größere Veränderungen erkennen. Eines ist sicher: Durch die Aufstellungsarbeit finden immer Veränderungen statt; denn es lässt sich nicht ein einzelnes Teil eines Systems verändern, ohne dass sich die anderen Teile mit bewegen. Das wäre als wolle man ohne Wellen eine Kelle Wasser aus einem Teich schöpfen.
Ich merke gerade: Nicht ganz einfach zu erklären, dafür umso deutlicher zu spüren. Die Begegnung mit meinen alten Bekannten hat mir wieder einmal die Erkenntnis gebracht: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als wir uns vorstellen können. Und das ist eine Erfahrung wert.

magz-Magazin März/April 2011


Foto: © Susanne Bichel

Gute Vorsätze
Oder vom Sinn „schlechter" Gewohnheiten

Auf geht's in ein neues Jahr. Ein Jahr mit Plänen, Hoffnungen, alten Gewohnheiten und einer Vielfalt an guten Vorsätzen. Die Liste ist lang und jeder hat wahrscheinlich das ein oder andere bereits selbst ausprobiert: Konsequenter Sport machen, weniger mit den Kindern schimpfen, die Beziehung in Partnerschaft oder Job verbessern, maßvoller Essen, den Alkoholkonsum reduzieren, endlich das Rauchen aufgeben. Wir bemühen uns, die Zigarette weg zu lassen und stopfen das entstandene „Loch" mit Süßigkeiten. Der Rückfall in alte Gewohnheiten kommt oftmals schneller als das neue Frühjahr. Hinzu gesellen sich nun auch noch Selbstvorwürfe, es mangele uns an der notwendigen Disziplin oder Willenskraft für die Umsetzung. Statt der Freude über den gewünschten Erfolg werden Frust, innere Unruhe und das Gefühl des Versagens gewonnen.

„Schlechte" Gewohnheiten haben in unserem Leben und Alltag ihren festen Platz. Bestimmte Situationen oder Orte sind mit unseren wiederkehrenden Verhaltensweisen verknüpft. Es wird uns daher leichter fallen, unsere Vorsätze umzusetzen, wenn wir die zur Angewohnheit dazugehörigen Gepflogenheiten, wie den Kaffee zur Zigarette, überschnell auf eine Situation oder Person zu reagieren oder „eben mal zwischendurch nen Happen essen" ebenfalls bedenken und mit verändern.
Es gibt jedoch noch Wesentliches, das wir in unser Bewusstsein rücken müssen, um erfolgreich zu sein. Um unseren guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, braucht es das Wissen um den für uns guten Zweck des nicht mehr gewünschten Verhaltens. Das Rauchen verschafft uns vielleicht innere Ruhe im hektischen Alltag. Wir schimpfen mit unseren Kindern, doch eigentlich sorgen wir uns um sie; wünschen uns Harmonie, haben jedoch zu wenig Zeit uns und allen Anforderungen gerecht zu werden. Wir essen mehr als wir wollen, um innerliche Leere oder Traurigkeit zu überwinden. Vor einer erfolgreichen Veränderung ist die Erkenntnis hilfreich, welche Lücken unsere alltäglichen „Sünden" stopfen. Was muss ich in mein Leben holen und integrieren, um diese Lücke auf eine wirksamere Art als bisher zu schließen? Es ist also ein wenig Detektivarbeit gefragt. Es braucht Vorbereitung und macht auch etwas professionelle Unterstützung lohnend.

Und sollten Sie bereits jetzt mit Ihrem guten Vorsatz hadern, dann machen Sie sich doch heute daran, der positiven Absicht Ihres „Lasters" auf die Schliche zu kommen. Jeder Tag ist ein guter Tag, um neue und positive Akzente in Ihr Leben zu setzen.

magz-Magazin Jan./Febr. 2011


Foto: © Rainer Harting, Preetz

Alle Jahre wieder…
Gibt es noch Neues zu sagen über den alljährlichen Weihnachtstrubel? Darüber, dass bereits seit Mitte August die ersten Weihnachtsplätzchen in den Regalen liegen? Darüber, dass die meisten von uns im Lauf um Geschenke und Gutscheine sich Jahr für Jahr die Frage stellen, worin bitte das Besinnliche in der Weihnachtszeit bestehen soll?
Über all dies gibt es vermutlich keine neuen Erkenntnisse. Vielleicht wäre es daher an der Zeit, bereits jetzt einen Moment inne zu halten und sich die Frage zu stellen, an welcher Stelle Ihrer persönlichen alljährlichen Weihnachtsmaschinerie Sie ein Rädchen etwas bremsen möchten, um den vorweihnachtlichen Trubel zu entschnellen und der lang ersehnten Besinnung vielleicht endlich in diesem Jahr auf die Spur zu kommen. Das Tempo, dem wir in unserem Alltag ausgesetzt sind, macht auch vor Weihnachten nicht halt. Im Gegenteil: Gerade jetzt fühlen wir uns noch mehr in die Pflicht genommen, alle zufrieden zu stellen und den - von wem eigentlich?? - aufgestellten Ansprüchen von zu erfüllenden Wünschen und vom perfekten Essen mit entsprechender Tischdekoration gerecht zu werden.

Ist es doch gerade diese Zeit, die in uns die Sehnsucht weckt, die Langsamkeit (neu) zu entdecken. Wie wäre es also mit neuen Ideen? Nicht in Form von Geschenken, sondern in Form von Veränderungen. Wie wäre es damit, sich bereits deutlich vor Weihnachten Muße und Gutes zu gönnen - mit Partner, Kindern, Eltern, Großeltern oder wen auch immer sie alljährlich beschenken und beköstigen. Kreieren Sie in gemütlicher Runde und dem ersten, vielleicht sogar selbst gebackenen Keks Ideen für ein Weihnachten, das allen Beteiligten wirklich Freude macht. Machen Sie Brainstorming - alle Ideen auf den Tisch. Danach sortieren Sie und treffen neue Absprachen. Zwischen Gänsebraten und Kartoffelsalat mit Würstchen sowie zwischen möglichst vielen zu erfüllenden Wünschen und keinem einzigen erfüllten Wunsch liegt eine große Spannbreite an Möglichkeiten. Vielleicht erleben Sie zum ersten Mal das Gefühl, Weihnachten zu gestalten und nicht mehr von Weihnachten gestaltet zu werden. Nehmen Sie wahr, worüber Sie sich noch freuen können und entdecken hierbei bereits die Kostbarkeit gemeinsamer kreativer Momente.

Sie merken schon: Eigentlich nichts Neues. Aber mal wieder ein Versuch… alle Jahre wieder.

magz-Magazin Okt./Nov. 2010
Foto: © Susanne Bichel

Missbrauchte Vokabel
Es gibt viele Formen des Missbrauchs. Und Missbrauch ist nicht immer sexueller Art. Er erfolgt sehr häufig, zumeist unbemerkt auch emotional und hinterlässt ebenso seine Seelen-Spuren. Um sicher zu stellen, dass sowohl die eine wie die andere Form der Grenzüberschreitung so wenig wie möglich fruchtbaren Boden bietet, ist eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Ernsthaftigkeit der kleinen, aber wichtigen Vokabel „Nein" erforderlich.

Es stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat ein „Nein" in unserer Gesellschaft als Ausdruck für persönliche Grenzen? Beinhaltet unser geäußertes „Nein" das Recht auf Einhaltung einer selbst definierten Grenze durch andere? Was gilt das „Nein" eines Menschen, insbesondere das eines Kindes? Wissen unsere Kinder, dass sie „Nein" sagen dürfen? Und wenn wir als Erwachsene diesem „Nein" aufgrund von Erfahrung und Notwendigkeit widersprechen und uns durchsetzen, tun wir dies mit Respekt und Einfühlung? Oder versuchen wir Willen zu brechen?
Was lernen Kinder über das „Nein" der eigenen Eltern? Ist es deutlich gemeint und gesprochen? Bleibt ein „Nein" ein „Nein" oder mutiert es aufgrund von Überforderung oder Unsicherheit leicht zu einem „Na gut"? Bietet es dem Kind eine Grenze, die einerseits nicht einengt und ausreichend Bewegungsfreiraum bietet, vor allem aber Sicherheit bietet?

Inwieweit sind Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in der Lage, sich klar abzugrenzen? Geben wir anderen und uns selbst die Erlaubnis, für eigene Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse einzutreten? Kann ein gesprochenes „Nein" von seinem Gegenüber als solches deutlich wahrgenommen werden oder wird es - wenn überhaupt - lediglich unklar und unsicher geäußert?

Was bedeutet das „Nein" in unserer Gesellschaft? Können wir es ernsthaft zum Ausdruck bringen oder fürchten wir, auf Ablehnung zu stoßen? Und: Können wir es von anderen sowohl akzeptierend als auch mit Respekt annehmen?

magz-Magazin Aug./Sept. 2010
Foto: © Rainer Harting, Preetz

Kräfte-Messen
Sie kennen folgende Situationen? Als Betroffene/r, während Ihre Geduld als Mutter oder Vater strapaziert wurde oder als außen stehender Beobachter eines kleineren oder größeren familiären Szenarios: Ein Kind im „besten" Trotzalter versucht sich hartnäckig und lautstark gegen das „Nein" seiner Mutter oder des Vaters durchzusetzen. Jetzt ist es unter anderem von Zahl und Reaktion der Umstehenden sowie der Örtlichkeit des Geschehens abhängig, wie schnell Eltern den deutlich bekundeten Wünschen des Nachwuchses nachgeben und aus dem meist noch klaren „Nein" ein halbherziges bis genervtes „Na gut" wird. Angst vor den Gedanken anderer, nicht beteiligter Personen und ein befürchteter „Gesichtsverlust" veranlasst viele Eltern Dinge entgegen Ihrer Überzeugung zu tun.

Sie ahnen bereits: Das Kind hat eine wertvolle Erfahrung gemacht: „Ich muss nur lange genug schreien und ich werde meinen Willen durchsetzen." Dieses unbewusste Lernen erweckt in dem Kind die Bereitschaft, beim nächsten aufkeimenden Wunsch gegebenenfalls noch mehr Kräfte in Form von Schreien, theatralischem Sich-Auf-Den-Boden-Werfen und ähnlichen kreativen Einsätzen zu mobilisieren, um diesen verwirklicht zu sehen. Das Kind hat somit einen Gewinn (Süßigkeit, Aufmerksamkeit o. ä.) erhalten, dabei gleichzeitig den Verlust einer sicheren elterlichen Grenze erlebt. Mutter/Vater hat (an Energie) verloren und wird vermutlich bei nächster Gelegenheit wieder, voraussichtlich sogar eher, klein bei geben, um gar nicht erst in eine prekäre Situation zu gelangen. Dies spürt das Kind.

Die Auswirkungen solchen Vermeidungsverhaltens mit noch kleinen Kindern erscheinen gar nicht so schlimm. Deren glückliches Lächeln bringt die elterliche Welt schnell wieder in Ordnung. Die Eltern begleiten dieses Kind jedoch noch durch die Pubertät hindurch bis ins junge Erwachsenenalter.
Was wünschen Sie sich für Ihr Kind? Dass es Selbstbewusstsein entwickelt statt Dickköpfigkeit? Dass es Verantwortung für sich übernehmen und sich klar gegen Herausforderungen des Alltags (persönliches Umfeld, Zigaretten, Alkohol u. a.) abgrenzen kann? Dass es selbst Ziele entwickelt und diese auch verfolgt (Schule, Beruf, Partnerschaft)?
Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierfür ist: Leben Sie vor, was Sie sich für Ihr Kind wünschen. Stecken Sie sich Ihre Ziele und setzen Sie sich hierfür ein. Das beginnt bereits am Süßigkeitenregal der Supermarktkasse und setzt sich fort bei der Diskussion um akzeptable Zeiten vor dem Computer oder Fernseher sowie ersten Diskobesuchen.

Ihnen fällt auf: Unangenehme Situationen lassen sich nicht vermeiden, lediglich aufschieben. Gemeinsam mit den Kindern wachsen auch die Eltern mit ihren Aufgaben und in ihre Verantwortung hinein. Die Kleinen bereiten Eltern noch sacht auf die Zeit der Auseinandersetzungen mit den künftigen jungen und selbstbewussten Erwachsenen vor.
Folgen Sie als Eltern Ihrem Gefühl. Sie wissen als Mutter und Vater genau, was ihr Kind wirklich braucht. Vertrauen Sie sich selbst und schenken Sie Ihrem Kind den sicheren Rahmen klarer und liebevoll gesteckter Grenzen.
Die Zuschauer eines unangenehmen Szenarios sind was Sie sind: Zuschauer. Der rote Kopf geht wieder vorüber. Das einmal widerrufene „Nein" jedoch prägt und schwächt künftige Standhaftigkeit - bei Ihnen und Ihrem Kind.

Erich Kästner sagte: „Ihr braucht eure Kinder nicht zu erziehen, sie machen euch sowieso alles nach."

magz-Magazin Juli-August 2010

Aus den eigenen Quellen schöpfen
Zeitweise erscheint es uns als würde ein Problem das nächste ablösen. Einige bewältigen wir leicht. Andere machen uns mehr oder weniger verzweifelt, weil wir keine Ahnung haben, wie wir sie bewältigen sollen. Wieder andere lassen uns wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren, rauben uns die Wahrnehmung für die Dinge um uns herum und damit auch für möglich Hilfreiches sowie die Fähigkeit zielgerichtet zu handeln.
Viele große Probleme und Rätsel in der Geschichte der Menschheit förderten richtungweisende Lösungen zu Tage. Wie sonst könnten wir heute schwere Lasten auf einfache Art und Weise befördern oder auf die Fähigkeiten von Chirurgen vertrauen. Immer wieder wandelten Menschen Probleme in Herausforderungen, in dem Vertrauen, dass eine Lösung möglich ist, möglich sein muss. Gleich dem Bildhauer, der sagt, dass das Bild in dem Stein bereits existiert; er müsse es nur frei meißeln.
In einer meiner Ausbildungen wurde gelehrt: „Für jedes Problem gibt es zehn Lösungen, drei fallen dir immer ein.". Was häufig fehlt, ist das Vertrauen in den persönlich vorhandenen Ideenreichtum und die eigene Kreativität, diese auch zu finden. In solchen Zeiten ist es hilfreich, sich zu erinnern, was wir bereits alles geleistet und wie wir uns aus vielen anderen schwierigen Lebenslagen heraus gearbeitet haben, um trotz aller Hürden an den Punkt unseres Lebens zu gelangen, an dem wir uns heute befinden.


Nehmen Sie sich einmal Zeit um aufzuschreiben, welche noch so kleine Leistung Sie bereits vollbracht haben. Bleiben Sie mindestens eine halbe Stunde über Ihren ersten Ideen sitzen, auch wenn Sie glauben, es falle Ihnen partout nichts mehr ein. So können Sie die stolze Erfahrung machen, dass die Liste Ihrer Fähigkeiten lang ist und für Sie zur guten Basis werden kann, Ihre Probleme als Herausforderungen zu betrachten und auch weiterhin erfinderisch Lösungen zu entwickeln.
Bewahren Sie sich Ihre Notizen auf, ergänzen diese hin und wieder. Lassen Sie sie Beweis Ihrer innersten tiefen Quellen von Kreativität, Mut sowie Kraft sein
.

Schaufenster 19. Juni 2010

Foto: © Susanne Bichel

Wie viel Ursprung braucht der Mensch?
Erschöpfungsdepressionen (Burnout) sind immer häufiger Ursache von Krankschreibungen. Eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ermittelte für 2008 fast doppelt so viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen wie noch 1990.
Erschreckend ist, dass das dienstliche Umfeld selbst wesentliche Ursache für Antriebslosigkeit, Stimmungstief, Schlaflosigkeit und innere Leere ist. Angst um den Arbeitsplatz und damit der existentiellen Grundlage veranlassen Arbeitnehmer zum Überschreiten persönlicher Leistungsgrenzen. Die eigene Wahrnehmung dessen was noch möglich ist, reduziert sich bis gegen Null. In meiner Praxis können Klienten oftmals nicht mehr beantworten, was der Überlastung voraus geht. Eigenwahrnehmungen wie „jetzt bin ich erschöpft oder müde" bleiben aus. Wenn nichts mehr geht, nehmen sich Leistungserbringende mit Glück endlich wahr und haben oftmals selbst dann noch den Anspruch, nur jetzt nicht nachzulassen. Hoffen, der Erschöpfungszustand gebe sich schnell von alleine. Zweifeln an sich, weil sie mit nur noch minimal geladenem Akku das Unmögliche versuchen.
Umwelt- und Arbeitsbedingungen haben sich zudem in einer Weise verändert, die der Natur des Menschen entgegenstehen. „Gott hat die Zeit erfunden, nicht aber die Eile" ist ein Vers, der vielleicht die Poesiealben älterer Generationen schmückt, im Alltag der Menschen jedoch kaum gelebt wird...gelebt werden kann? Globaler Konkurrenzkampf und gestrafftes Management um möglichst große Marktanteile und eng gestraffter Kalkulation fordern die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern bis an ihre (gesundheitlichen) Grenzen. Ohne Berücksichtigung individueller biologischer Grundlagen
oder gar persönlicher Talente. Arbeitnehmer vieler Firmen sind nur noch Abschnitt einer Produktions- bzw. Verwaltungskette. Während der Vertreter des ursprünglichsten Berufes überhaupt, der Bauer, sät, hegt, wachsen und gedeihen sieht, erntet und am Ende im wahrsten Sinne des Wortes von der Hand in den Mund lebt, sehen Arbeitnehmer von heute kaum mehr das Ergebnis ihres Schaffens. Erfüllungsgehilfen statt kreativ (Er-)Schaffender; ferngesteuert maschinengleich powern statt kraftvolle menschliche Lebendigkeit als produktiven Motor zu gewinnen. Anstatt die individuellen Stärken des Einzelnen in Unternehmen nutzbar zu machen, müssen die meisten mehrere, häufig zudem fremde Tätigkeitsbereiche gleichzeitig abdecken und dies in verfügbaren Zeiten, in der vor 30 Jahren noch zwei Arbeitnehmer für ihren Lebensunterhalt gesorgt hätten.

Für ein Umdenken und Verändern wird ein Preis zu zahlen sein. Für den Versuch, dies zu vermeiden ebenfalls. Dies kann nicht allein in der Verantwortlichkeit von Arbeitgebern liegen. Hier ist jeder Einzelne in seinem Selbst-Bewusstsein gefordert. Und nicht nur in der Eigen-Wahrnehmung, sondern auch in der Bereitschaft, grundlegenden Bedürfnissen Raum zu geben. Nutzen wir verbliebene Kraft, unser größtes Potential zurück zu gewinnen. Uns selbst.

magz-Magazin Mai 2010
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Reiki - Alles Budenzauber?
Stellen Sie sich vor, Sie würden Menschen im Mittelalter ein schnurloses Telefon vorführen und erklären, es werde Energie durch den Raum transportiert. Bestenfalls würden die Leute Sie auslachen oder man hätte Sie als Scharlatan davon gejagt. Beim Versuch zu zeigen, dass es funktioniert, würde man Sie vermutlich als Hexe oder Ketzer verbrennen.

Heute gibt es Menschen, die Ihnen erklären, dass durch Handauflegen mit oder ohne Berührung Energie übertragen wird. Und obwohl Sie vermutlich ganz selbstverständlich ein Handy benutzen, können Sie es bei Reiki kaum glauben oder würden es sogar als Unfug bezeichnen.

Ganz intuitiv legen wir uns selbst die Hände auf: An die Schläfen, wenn uns der Kopf schmerzt; auf den Bauch, wenn der Magen drückt, auf's Herz, wenn es zu schnell schlägt. Die warme Hand der Mutter hilft dem Kind, wenn es sich unwohl fühlt. Hände beruhigen, trösten, können viel oder wenig Liebe ausdrücken, je nachdem wie wir sie einsetzen. Und vielleicht hat der ein oder andere selbst schon einmal festgestellt: Wenn jemand anderer uns die Hände auflegt, z. B. der Partner, verstärkt sich das sanfte, angenehme Gefühl.

Anhaltende persönliche Belastungen bewirken im wahrsten Sinne des Wortes das Gefühl von Energielosigkeit, die auf Dauer zum Auftreten von Symptomen, später von Krankheit führt. Methoden wir Reiki (jap. rei = Kosmos, ki = Lebensenergie) wirken positiv auf blockierende Energien im Körper.
In Studien zeigte das Auflegen der Hände durch Reiki-Behandler eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Schmerz, Angst, Unruhe und Stress lassen sich reduzieren, Selbstheilungskräfte werden aktiviert und das allgemeine Wohlbefinden gesteigert. U.a. wenden auch Kliniken wie das Unfallkrankenhaus der Berliner Charité diese Methode an.
Irgendwann haben Sie das erste Mal telefoniert und sind dabei geblieben. Wie wäre es also mit ein wenig „Budenzauber"?

Dreieck regional März 2010
Foto: © Rainer Harting, Preetz

Von der Ruhe in die Kraft
Derzeit begegnen mir zahlreiche Menschen, die sich in dieser Jahreszeit unwohl fühlen: Das Wetter ist kalt, feucht, grau. Die Bäume sind kahl, wirken trostlos. Die novemberliche Stimmung fördert wenig den Wunsch aktiv zu sein, sondern sich in die eigenen vier Wände zurück zu ziehen. Seit der Erfindung der Glühbirne ist es dem Menschen möglich, unabhängig von seiner eigentlichen Natur, zu jeder Jahreszeit den gleichen Aktivismus an den - auch früh dunkel werdenden - Tag zu legen. Von je her wurde der Sommer, die Zeit mit Licht und Wärme genutzt, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Im Winter zehrten die Menschen von dem Erschaffenen und Eingemachten. Die frühe Dunkelheit sowie die Kälte des Winters zwangen zu beschaulichen Tätigkeiten, zum Ausruhen und Kräfte schöpfen für den Neubeginn des Lebenskreislaufes. Am Ast eines Baumes oder Busches lassen sich derzeit diese natürlichen Vorbereitungen entdecken. Hier entwickelt sich in noch zurück gezogenen und doch gut sichtbaren Knospen bereits die Lebensenergie für das kommende Frühjahr.
Wir können den rhythmischen Verlauf der Natur zum Vorbild nehmen und trotz erforderlicher Schaffenskraft am Arbeitsplatz oder zu Hause die dunkle Jahreszeit nutzen, um mit Besinnung und Ruhe Energien zu sammeln und Kräfte zu schaffen für vor uns liegende neue, mit Lebendigkeit zu füllende Monate.

Dreieck regional Nov. 2009
Foto: © Susanne Bichel

Glaubenssätze
„Bin ich blöd!" „Das schaffe ich nie!" Kommen Ihnen solche Sätze auch so leicht über die Lippen? Anderen Menschen gegenüber verhalten Sie sich freundlich, ermutigend und zuversichtlich. Selbst be- und verurteilen, kränken und verletzen Sie sich jedoch, ohne dies bewusst wahrzunehmen. Bedeutsam daran ist: Ihr Gehirn glaubt Ihnen diese Aussagen. Mit jeder abwertenden Äußerung über sich selbst, bauen Sie sich Beschränkungen auf und reduzieren so Ihr persönliches Potential. Gedachtes und Gesagtes werden zur Realität. Sie werden tatsächlich ungeschickter, begreifen die „Tücken" Ihres PCs nicht oder der Kollege ist schon wieder so „komisch" gewesen. Herausforderungen erscheinen unüberwindlich und der Mut geht verloren, das Abenteuer des Neuen erleben zu wollen.

Eigene Denk- und Sprachmuster sind vertraut und laufen daher wie von alleine ab. Um das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten wieder aufzubauen und zu stärken, ist es wichtig, sich dieser Muster im Alltag bewusst zu werden und nach und nach zu verändern.

Die Veränderung von Denk- und Sprachmustern hat Einfluss auf das eigene Auftreten und Verhalten. Schwierige Lebenssituationen werden anders angenommen und leichter bewältigt. Da jede noch so kleine persönliche Veränderung bei uns ihre Auswirkung auch in unserem Umfeld zeigt, verändern sich z. B. auch Umgang und Kommunikation mit Partner, Kindern, Kollegen etc.

Jeder Mensch kann sein höchstes Potential (er-)leben und sich daran freuen. Ein erster Schritt wäre, mit Spaß und Staunen neue Denk- und Sichtweisen zu entdecken.

Schaufenster vom 06.05.09
Dreieck regional Mai 2009

Foto: © Susanne Bichel

Was ist schon gesund?
Die WHO (World Health Organisation) definiert Gesundheit als einen „Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als das Freisein von Krankheit und Gebrechen.".

Das bedeutet: Der Mensch wird in seiner Ganzheit, mit der er in dieser Welt lebt, betrachtet. Denn nicht nur Magenschmerzen und Depression, sondern auch negative Formen von Kontakt, Kommunikation und zwischenmenschlichem Verhalten mit Familien, Kollegen und Nachbarn beeinträchtigen die persönliche Gesundheit. Vielfach ist uns klar, dass die Magenschmerzen von dem zermürbenden Konflikt mit dem Kollegen am Arbeitsplatz ausgelöst sind. Oder dass die Depression von einem Lebensbereich herrührt, in dem wir uns schon lange nicht mehr wohl fühlen. Als erster Schritt hilft die von der Werbung angepriesene „Feuerwehr" für den schmerzenden Magen und verordneten Antidepressiva gegen die melancholische Stimmung und den nachlassenden Antrieb. Medikation ist gut und hilfreich, sollte aber immer nur ein Teil der Behandlung sein, wenn wir uns ganzheitlich betrachten.

Es ist für die meisten Menschen schwer, an die Wurzel des Übels zu gehen. Wer hier ran möchte, übernimmt Verantwortung für sich selbst. Wir sind plötzlich nicht mehr Leid-tragende einer krank machenden Situation, sondern Handlungsfähige in unserer mitgestalteten persönlichen Wirklichkeit. Eigenverantwortung ist mit Entscheidungen treffen und sich auf Veränderungen einlassen verbunden. Die Schmerz bereitende Situation ist uns vertraut. Sie ist das, was wir kennen; ebenso wie die gleich bleibenden Muster von Denken, Reden und Verhalten, mit denen wir dieser begegnen. Dies bietet uns eine Menge vermeintlicher Sicherheit. Was wir jedoch nicht wissen: Was passiert, wenn wir versuchen, jener Situation ein Ende zu bereiten? Wenn wir beginnen zu schauen, was wir in diesem Moment wirklich brauchen. Wenn wir dem folgen und erste kleinste Veränderungen vornehmen. Die Systemik des Lebens sagt, dass sich unser Umfeld mit uns mit verändert. Das erscheint unkontrollierbar und verleitet, lieber alles beim Alten zu lassen. Denn wie wir mit unseren Magenschmerzen und Ängsten umgehen müssen, wissen wir. Alles Neue bedarf veränderter Denk- und Verhaltensweisen. Das braucht Mut, Vertrauen und vielfach das Annehmen von Unterstützung. Es gibt Menschen, die diese neuen Schritte gewagt haben. Sie werden Ihnen begegnen. Fragen Sie, hören Sie hin und beginnen Sie mit einer ersten kleinsten Veränderung zum Wohle Ihrer Gesundheit.

Dreieck regional Juni 2009
Schaufenster vom 09.09.09